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Abenteuer “WG gesucht”


Das hatte heute schon fast den Charme alter “vor-Corona” Zeiten. Kind Nummer zwei hat um 13 Uhr ein Casting in einer WG. Keine Ahnung, auf wie viele Inserate sie sich in den vergangenen Wochen gemeldet hat… Dafür gibt es sogar eine eigene Plattform namens “WG gesucht”. Als liebevolle und natürlich neugierige Eltern nehmen wir uns selbstverständlich gern die Zeit, das Kind zu chauffieren. Man möchte doch sehen, wo und wie und was. Nur nicht wer. Wir gehen ja schließlich nicht mit rein.

Alter, was geht in unserer Stadt ab? Und was für teils kranke Angebote es da gibt! Ältere Herren und Damen, die Mitbewohner*innen suchen? Zehn Nationen unter einem Dach. Biete Couch oder auch gern mal 10-12qm für 500 Euronen. Der helle Wahnsinn. Willkommen in der neuen Wirklichkeit à la London, Paris, NY. Auch wenn da sicherlich noch ordentlich Luft nach oben ist, kann es einem echt die Laune verderben.

Natürlich war mir bewußt, dass es nicht mehr lange dauern würde, bis der Markt anzöge – man sehe sich nur die steigenden Mieten und Häuserpreise in dieser Stadt an. Doch wie sollen Student*innen das mit dem aktuellen Mindestlohn und ohne (Gastro-)Jobs wegen Corona etc. stemmen können? Unsere Kids haben das Glück, bereits in Berlin ein Dach -nämlich unser Dach – über ihren Köpfen zu haben. Doch mal ehrlich, irgendwann werden auch die Anhänglichsten unter den Kids flügge und es drängt sie in die Freiheit, zur Sonne, ans Licht, aus dem Nest also.

Wie auch immer … das Casting läuft und läuft und läuft. Ist das nun ein gutes Zeichen? Hm, keine Ahnung. Ich denke, eher ja. Währenddessen erkunden wir Eltern die Hood. Nett hier. Ein Bergchen mit Wasserturm, eine Kirche nebenan – sogar offen mit netter Unterhaltung -, dazu dutzende kleine Cafés mit Coffee 2 go, Bücherladen, Tramstation quasi vor der Tür und einem “Leisen Park”. Wie süss ist das denn bitte? Warte, wie heißt dieses neue Wort auf “WG gesucht” ? Echt cosy.

Nun, mein Gatte und ich ziehen unsere Kreise. Erst größere und dann wie zwei Haie, werden mit jeder fortgeschrittener Minute die Kreise immer enger um den Standort des Begehrens. Warum meldet sie sich nicht? Ist alles in Ordnung? Wird sie womöglich unsittlich bedrängt? Ok, als Eltern können wir wohl nie aus unserer Haut schlüpfen und aus dem besorgten Gedanken-Karussell aussteigen. Muss man/frau ja auch nicht. Gehört eben dazu, zum Elternsein.

Verrückte Welt

Nach 1,5 h ist uns dann doch echt kalt, aber hey, wir haben heute hier so viele nette Menschen gesehen, attraktive, sogar fröhliche und im Schnee der Hauptstadt spielende Kinder, dass uns ganz warm ums Herz ist. Nun sitzen wir im Auto und warten auf Kind Nummer 2. “Ruf doch mal an”, sagt der liebevoll besorgte Papa schließlich, “sonst gehe ich klingeln.” Ich rufe an und Kind kommt mit Pokerface aus der Tür.

Das Casting lief super. Entscheidung noch offen…
Jetzt heißt es, bis morgen/übermorgen feste die Daumen drücken und … anfangen, zu sparen!

Published inKolumne

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Kate@eight