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Montagmorgen


Es ist Montagmorgen in der Hauptstadt und heute arbeite ich mal nicht im HomeOffice wie an den meisten Tagen in den vergangenen fünf Monaten. Also schwinge ich mich auf meinen Drahtesel und trete entspannt in die Pedale – ab durch die Mitte Richtung S-Bahnhof.

Auf der anderen Seite der ländlich anmutenden Parkanlage unweit des eigenen Domizils nähere ich mich dem – offiziell als Grillplatz – ausgewiesenem Areal. Und, wie gefühlt jeden Montagmorgen, sehe ich bereits von Weitem von meinem silber-roten, Zweirad-Ross aus die sich türmenden Müllberge mit den darin tobenden und sich badenden, schwarz-grau gefiederten Gesellen.

Bäh. Mal im Ernst. Warum können feiernde Menschen ihren Dreck nicht wegräumen oder bestenfalls mit nach Hause nehmen? Zu bekifft? Zu betrunken? Dann kommt gefälligst morgens zum Aufräumen, ihr Feierwütigen. Alles egal? Da werden Flaschen auf Geh- und Radwegen zertrümmert – ohne Rücksicht auf Mensch & Umwelt. Wenn ich das sehe, kann ich gar nicht so viel essen, wie ich k*tzen möchte. Es ist nicht nur eklig , sondern auch respektlos.

Und dann sehe ich sie – in goldenes Licht getaucht, mit einem Heiligenschein über den Köpfen. Nein. Doch nicht. Keine Engel ohne Flügel, sondern eher zwei Götter in Grün? Nun, vielleicht nicht wirklich Götter, sondern eher zwei – in die Jahre gekommene – Mitarbeiter des bezirklichen Grünflächenamtes stehen neben ihrem grünen Arbeitsmobil mit einer morgendlichen Tasse heißen Kaffee aus der mitgebrachten (grünen – nein Spaß) Thermoskanne.

Ein Gedanke schiebt sich vom Kleinhirn nach vorne durch meinen Kopf und schon bremse ich mein Drahteselchen und höre mich zu den beiden, erstaunt und etwas mürrisch dreinblickenden, Herren mit den vom Wetter gegerbten Gesichtern freundlich sagen:

“Guten Morgen … Ich möchte einfach mal Danke dafür sagen, dass Sie hier jeden Montagmorgen aufs Neue für Ordnung sorgen!”

(O-Ton Kate@eight)

“Oh”, antworten die Beiden verdutzt und sichtlich gerührt von ihren Bechern aufschauend, “Aber gerne doch.”.

“Jeden Montagmorgen ärgere ich mich über die Leute, die diesen Platz hier so vermüllen und jeden Montagnachmittag freue ich mich auf meinem Rückweg über die Heinzelmännchen, die offenbar wieder für Ordnung gesorgt haben.” (Anm. der Red. – die Feiernden selbst waren es sicher nie – so viel war mir schon klar)

(O-Ton Kate@eight)

Die beiden älteren Herren lächeln verlegen und irgendwie dankbar. Doch da habe ich meinen Hintern bereits wieder auf mein Draht-Roß geschwungen, während ich ihnen noch fröhlich einen schönen Tag wünsche und nunmehr endlich dem S-Bahnhof entgegen strebe – nicht ohne selbst auch ein Lächeln auf den Lippen zu haben.

So einfach ist es, Mitmenschen, die unser Leben auf ihre Weise schöner machen, eine kleine Freude zu bereiten – ein kleines Lob, ein winziges Dankeschön. Klar, es ist ihr Job. Sie werden dafür bezahlt. Aber ist es nicht dennoch eine wertschätzende, nichts – außer ein paar Minuten Zeit – kostende Geste wert, dass sich beispielsweise diese beiden hier um den Müll der anderen kümmern, damit unsere Kinder und wir oder auch Hund, Katze, Maus, Fuchs und Hase sich nicht verletzen?

Natürlich würde ich viel lieber 1.) erst gar keinen Müll entdecken und 2.) die Verursacher gern selbst mit Schaufel und Eimer am Start sehen wollen. Aber das wird wohl nie passieren. Leider.

Published inKolumne

Ein Kommentar

  1. Melli

    eine gute Tat 🙂 schön!

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