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Cocktail & Corona


Cocktails in Corona-Zeiten. Nun, nach dem Kino-Highlight am Samstagabend war es Zeit für einen gepflegten Cocktail, um den aufregend verwirrenden Nolan-Blockbuster standesgemäß sacken zu lassen.

Und schon stehen wir vor einer hippen Spree-Location, in die wir bereits einige Tage zuvor nach einer Vernissage eingekehrt und von der dort herrschenden Atmosphäre überraschend angetan waren. Doch was sehen unsere, vom Kinoschummerlicht leicht übermüdeten, Augen?

„Geschlossene Gesellschaft“ – hmmm, mit lecker Buffet. Nee, ich habe keinen Hunger. Nein, wirklich nicht. Grrrr. Aber hey, natürlich gönne ich es dem elegant gekleideten Publikum von Herzen in diesen komischen Zeiten – was auch immer sie gerade feiern mögen: Hochzeit, Geburtstag, Firmenparty … Egal. Ist halt so. Wir schlappen von dannen und sinnen nach Plan B und steuern beherzt eine weitere Bar, ganz in häuslicher Nähe, an. Auch dort waren wir vor nicht allzu langer Zeit – per Rad, an einem dieser heißen Augustabenden. Und auch hier hatte uns gut gefallen.

Nicht so leider heute. Ehrlich? Ich fühlte mich wie im Zoo – nur stand ich nicht vor dem Käfig. Warum?

Nun, ich trug ein chilliges, knielanges, schwarzes Wickelkleid – ganz und gar nichts Extravagantes, nichts zu sehr Aufregendes – und dazu zarte Lederschläppchen mit Satinschleifen aus Paris. Ok, die sind vielleicht schon etwas hipp – ebenso vielleicht mein knallroter Lippenstift und meine beiden weißhaarigen, knuffigen Dutte oder Dutt’s (sagt man das so in der Mehrzahl ?) auf dem Kopf.

Also – wie im Zoo. Ich habe mich selten so beobachtet, so unwohl, so overdressed an einem Samstagabend in Berlin gefühlt. Liegt das etwa an Corona? Kennen die Leute das nicht mehr? Sich chic machen? Weggehen? Auffallen? Jedenfalls sehen die anderen Gäste der Lokalität eher danach aus, als wären sie auf dem Weg zum oder kämen direkt vom Ballermann. Zugegeben, ich war noch nie dort. Aber so stelle ich mir die Klientel vor. Sorry. Is aber so.

An diese Herrschaften: “Hey, wo bleibt denn Eure Toleranz Menschen gegenüber, die sich auch trotz oder gerade wegen Corona weiterhin gern chic stylen, die nicht verlottern wollen?”

Ende vom Lied & Ende des Abends – nein, auch hier werden wir, wenn auch aus anderen Gründen, keinen Cocktail trinken. Wir stehen auf und gehen nach Hause. Großes Kind fragt mit großen Kulleraugen: “Was macht ihr denn schon hier? Wolltet ihr nicht ins Kino … ?”.

Ja, wollten wir. Ja, waren wir auch. Der Rest ist eine lange Geschichte.

Published inKolumne

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