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Große Erwartungen


Ja, so heißt ein Roman von Charles Dickens von 1861, an dessem Titel ich mich heute dreist bediene … Thank you, Mr Dickens.

Nun, Mr Dickens kann mir da leider nicht mehr helfen. Das muss ich wohl selbst tun. Oder gibt es jemanden, der in meinem Kopf für Ordnung sorgt? Da wäre die Watte zwischen meinen Ohren, die Murmeln könnten sortiert, die Knete in Form gebracht werden …

Große Erwartungen? Jap. An mich selbst und vor allem die Erwartungen, von denen ich erwarte, dass sie sie von mir erwarten. Zumindest ist es in meinen Kopf so programmiert. Dieses “Programm” möchte ich jetzt endlich umschreiben. Worum handelt es sich denn nun genau, Kate?

Also… Ich habe stets das Gefühl, die Erwartungen oder gedachten Erwartungen der anderen um mich herum erfüllen zu müssen. Da wären zum Bespiel diese:

  • sei eine wunderbare Mutter
    • liebevoll (sowieso immer)
    • hole die Kinder ab / fahre sie überall hin (Taxi-Driver*In)
    • höre aufmerksam zu und stelle entsprechend sinnvolle Nachfragen
    • sorge für Zusammenhalt in der Familie
    • hilf bei den Hausaufgaben und denke an Arbeitsmittel
    • bereite gesunde Snacks und Lunchpakete vor
    • engagiere dich ehrenamtlich in Gremien der Kita/Schule/Freizeiteinrichtungen
  • sei eine gute – besser perfekte – Hausfrau
    • koche/backe lecker, vielseitig, abwechselungsreich und bitte mit Hingabe
    • shoppe mehrmals wöchentlich alles für die Familie, damit der Kühlschrank stets gut gefüllt bleibe
    • halte das Haus und Garten sauber und ordentlich (vor allem Bäder & Böden, die offenbar niemand sonst wahrnimmt)
    • wasche & bügele eifrig, damit die Familie stets gepflegt erscheinen möge
    • vergiß nicht, die Blumen in allen Zimmern zu gießen
    • dekoriere zu den Feiertagen
    • sorge für einen nie ausgehenden Vorrat an Kerzen & Servietten -> fahre also regelmäßig zum großen blau-gelben schwedischen Riesen
    • beginne spätestens mit 12 Monaten Vorlauf mit Weihnachtswunsch- / Geburtstagsgeschenk-Listen
  • sei eine perfekte Sekretärin
    • merke dir alle Termine aller Familienmitglieder und koordiniere sie
    • führe sorgfältig Impfbücher und behalte Ausweis-Ablaufdaten im Blick
    • plane Ausflüge, Urlaube, checke die Packlisten
    • organisiere Vertretungs-Taxis, wenn du selbst nicht doch nicht driven kannst
    • habe dein Handy stets gut aufgeladen bei der Hand und geh gefälligst auch immer ran
    • kümmere dich um guten Kontakt zu allen Verwandten und Freunden
    • schreibe Weihnachts-/Geburtstags-/Urlaubskarten -> alternativ sende Fotos via Mail oder Messenger
    • bezahle Rechnungen
    • behalte die Finanzen im Blick
  • sei eine heiße “Braut” (alternativ: sei ein heißer “Feger”, sei sexy)
    • mach die immer zurecht für den/die Liebste an deiner Seite
    • kleide dich sorgsam und stylish
    • geh regelmäßig zum Frisör, zur Maniküre (oder mach dir selbst die Nägel schön)
    • sei eine Verführerin
    • nimm Verführungswünsche hingebungsvoll und voller Freude an
    • treibe regelmäßig Sport
    • ernähre dich gesund und ausgewogen
    • kurz: arbeite an deinem Body, auf das dieser immer sexy, straff und jung erstrahlen möge.

Bisher nicht aufgeführt sind z.B. “sei eine höfliche, fleißige Kollegin”, “sei die beste Freundin”, “sei die fürsorgliche Tochter”, “sei die aufmerksame Schwester/Cousine”, “sei eine aufregende, regelmäßig schreibende Kolumnistin” … und und und.

Ich habe auch darüber hinaus noch eine Menge sei-Listen. All diese “sei’s” geistern ständig durch meinen Kopf – kullern umher wie die besagten Murmeln. Leider sorgt auch die Knete oder Watte zwischen meinen zarten Röhrchen nicht dafür, dass die Murmeln endlich Ruhe geben.

Wie wäre es also, wenn ich mir Kisten, Kartons, Schubladen zulege, in die ich die sei-dies-sei-das-sei-jenes-Kullermurmeln feinsäuberlich einsortiere??? Gute Idee.
Wie wäre es also, wenn ich die anderen Protagonisten in meiner Welt frage, was sie tatsächlich von mir erwarten??? Sehr gute Idee.
Wie wäre es also, wenn ich sage, was und wie ich etwas möchte? Brillante Idee.

Das Ganze da in meinem Kopf nennt sich neumodisch “mental load” und soll sich auch sehr gut delegieren, ablehnen, ablegen, teilen lassen. Ach ja? Das werde ich mal genauer recherchieren, beleuchten, testen und dann darüber berichten.

Gleich heute fange ich damit an. Bin gespannt, wie weit ich kommen werde!

… to be continued …

Published inKolumne

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