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Besuch einer Dame / Part II

So, ich nähere mich der 40h-Marke gemeinsam mit den Überresten meines gestrigen Besuchs. Es ist echt nur noch Aua und danach sicher alles Brei.

“Es reicht, Frau Migräne”, schnauze ich inzwischen ziemlich ungehalten, “Schluss jetzt. Feierabend. Holen Sie sofort all Ihr Zeugs aus meinem Haus – respektive meinem Kopf. Jetzt. Ach, und bitte nehmen Sie vor allem Ihren Vierzigtonner aus meinem Vorderhirn mit, mit dem Sie offenbar lustig immer im Kreis gefahren sind!”.

An der Beseitigung der tiefen Fahrspuren werde ich einige Tage zu knabbern haben. Aber hey, die Dame kommt zurück und packt tatsächlich, ganz gemächlich und wie in Zeitlupe, ihre sieben Sachen zusammen und verschwindet erneut mit einem süffisanten Grinsen.
‘Ja, schönen Tag noch … Sie mich auch!’ Pardon, darf man das eigentlich so schreiben? Auch egal – ich hab’s ja nur leise gedacht.

Nun, Claire, wie geht es dir nach dem Besuch – also bis auf die Fahrspuren natürlich?
Tja, was soll ich sagen? Hier herrscht ein ziemliches Chaos. Wenn ich mich so umblicke, ist irgendwie nichts mehr an seinem Platz. Besuch – ich sag’s ja … Dabei bin ich echt ein liebevoller und gastfreundlicher Mensch, dem das Wohl der Gäste am Herzen liegt, der möchte, dass es allen gut geht. Ich selbst nehme mich dabei gern zurück, immer. Damit sollte ich aber mal besser langsam aufhören. Ein Freund gab mir heute den Rat, den Kampf aufzunehmen mit dieser Dame, ihr den Einlass zu verwehren, ja eigentlich sie schon am Telefon abzuwimmeln.

Und wie soll das gehen? Er meinte mit gezielten Dehn-Übungen für Nacken und Wirbelsäule, Yoga, Meditation, einem starken Geist könne ich es durchaus mit dieser renitenten Person aufnehmen und am Ende vielleicht sogar als Siegerin aus dem Duell hervorgehen. Klingt nice.

Ich habe versprochen, darüber nachzudenken, es in Erwägung zu ziehen und auch anzugehen, wenn ich die beiden großen, kuscheligen Schweinehunde ebenfalls aus meinem Kopf herauskomplementiert habe. Aber auch das schaffe ich noch … Gemach. Jetzt erst mal die Spuren beseitigen und Ruhe einkehren lassen.

Ich spüre, wie mein Hirn ganz langsam wieder in seine Normalfassung zurückwabert (wie Gelee oder Götterspeise) und sich aus der Enge des Schraubstockgriffs der unfeinen Dame befreit. Das braucht Zeit und Muße. Meine Augen gewöhnen sich langsam wieder an das Tageslicht (ganz ohne Ring – kleine Reminiszenz an TVD *grins*) und ich sehe nicht mehr ganz aus wie eine Vampirlady auf Diät.

Also Challenge erkannt und angenommen. Frau Migräne wird noch ihr blaues Wunder mit mir erleben. Soll sie sich doch am besten einfach endlich in Luft auflösen. Ich werde sie nicht vermissen.

“Adieu Madame M.,
Hochachtungsvoll, Claire”

Auf diese handgeschriebenen Zeilen an Frau Migräne per Post freue mich schon jetzt diebisch.

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et Claire