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Lou’s Vermächtnis

Ein geschenkter Anfang
Lorraine Fouchet
  • Gebundene Ausgabe: 368 Seiten
  • Verlag: Atlantik (17. März 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3455600565
  • ISBN-13: 978-3455600568
  • Originaltitel: Entre ciel et Lou

»Wer auf meiner Beerdigung weint, mit dem rede ich kein Wort mehr«, hat Lou oft gewitzelt. Lou, die auf der kleinen bretonischen Insel ein echter Paradiesvogel war und von allen geliebt wurde. Lou mit ihren Spleens – Champagner, bitte, aber nur von Mercier! – und Macken – sie kochte miserabel, aber mit Liebe –, einem Lachen, das lauter war als das Kreischen der Möwen, und einem Herzen so weit wie das Meer. Nun ist Lou tot – und die Familie droht auseinanderzubrechen. Im Testament bittet sie ihren Mann Jo, ihr einen letzten Wunsch zu erfüllen: Er soll das zerrüttete Verhältnis zu ihren erwachsenen Kindern Cyrian und Sarah wieder kitten und beide glücklich machen. Erst dann darf er Lous letzten Brief lesen – der versiegelt, natürlich in einer Champagnerflasche, auf ihn wartet. Eine Flaschenpost, die das Leben einer ganzen Familie verändert.

MEINE REZENSION

Ein verspieltes Cover in meergrün. Ein verschnörkelter Buchtitel. Ein Leuchtturm im Hintergrund. Ein älterer (?) Mann steht bis zu den Waden in schäumender Gicht und wirbelt fröhlich ein Kind durch die Luft, das wie eine kleine Möwe zu fliegen scheint… Soweit, so gut.

Wir befinden uns aus Groix, einer ganz offenbar zauberhaften kleinen Insel in der Bretagne,

Lou, Josefs geliebte Frau wird soeben beerdigt – mit gerade einmal 56 Jahren. Das war für mich ein Stich mitten ins Herz. Wer mich näher kennt, weiß warum. Von nun an fiel mir die Lektüre schwer. Dabei gibt es so zahlreiche positive Bewertungen des Romans. Nun, er ist ja auch sehr schön, sehr naturverbunden, sehr familiär.
Doch für mich waren Jo’s (so wird Josef gerufen) Verzweiflung und Trauer nur schwer zu ertragen. Sie verleihen – vollkommen zurecht in Anbetracht der Handlung – der Geschichte einen melancholischen, bisweilen gar schwermütigen Touch. Lou möchte postum ihren ehemals vielgeschäftigen Ehemann dazu bewegen, ihre Kinder glücklich zu machen, ihnen einen neuen Anfang zu schenken. Jo scheint daran schier zu verzweifeln, dennoch stellt er sich mutig der Aufgabe und entdeckt dabei Seiten seiner geliebten Lou neu.

Der Roman wechselt in jedem Kapitel die Erzählperspektive, Jedes Familienmitglied kommt zu Wort und schildert die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunftspläne aus eigener Sicht. Pomme und Charlotte kamen dabei manchmal für ihr zartes Alter recht altklug daher. Dennoch bleiben alle irgendwie nur an der Oberfläche. Ich kam niemanden der Protagonisten wirklich näher. Konnte zu keinem von ihnen eine Verbindung aufbauen. Kurz sie blieben mir fremd.
Lou auf ihrer Wolke machte es mit ihren Kommentaren zum Geschehen nicht gerade leichter, jedoch durchaus unterhaltsamer.

Nach der Hälfte des Romans konnte ich mich auf die Geschichte einlassen und war nun doch einigermaßen gespannt, wie sie denn ausgehen sollte. Die Mittel und Wege, derer sich Jo bedient, um Tageslicht in die familiären Verhältnisse zu bringen fand ich teilweise recht – nunja, sagen wir mal unorthodox – vom Google Alert bis zu Laienschauspielern als Undercoveragenten ist alles vertreten.

Die Sprache ist geschmeidig und mit bretonischen Spezialitäten gespickt. Mein Roman war es leider leider nicht, obwohl ich bekennender Fan der französischen Literatur und ihrer AutorInnen bin. Empfehlen kann und werde ich ihn dennoch, weil er a) besonders ist in seiner Art und b) es um das geht, was wirklich wichtig ist im Leben. Was genau das ist, darf jeder Leser/jede Leserin gern selbst für sich herausfinden 🙂

Vielen Dank an den Atlantik Verlag für das Rezensionsexemplar.

Published inKolumneRezensionen
et Claire