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Sundowner in Berlin


Spätsommerlich warmer Samstagabend. Berlin. Corona. Na toll. Es ist so, so schön da draußen. Und was sollen wir machen an einem wunderbaren Wochenende wie diesem? Ja, wir wollten so gern zur Berlin ArtWeek – aber keine Karten mehr, keine Chance. Waren wir wohl zu spät dran. Nach einem anstrengenden Haushaltstag wie dem heutigen muss ich aber unbedingt noch raus. Irgendwo hin. Und WOHIN ?

Nach dem Abendessen lassen wir alles stehen und liegen, schnappen uns eine Decke, unseren Lieblings-Doppio Passo Primitivo Rosato, eine Tüte Linsen-Chips der unwiderstehlichen Sorte ‘Sour Creme’ und hüpfen beschwingt ins Auto. Mit eben jenem, unserem – in die Jahre gekommenen – Gefährt düsen wir schlanke 15min durch die City Südost und kommen heraus … Trommelwirbel … am Lieblings-Place to be: dem Treptower Park. Nein, nicht irgendwo im Park oder am Park, sondern … tadaa … an der Insel der Jugend. Ick steh uff diese kleene Insel – echt jetzt.

Blick von der Insel der Jugend nach Berlin-Mitte

Auf dem Parkplatz empfängt uns Techno mit einem ordentlichen Bass aus Lautsprechern in Kofferräumen und zack – glitzert vor uns das Lichtermeer der Lichterketten auf dem, fast überbelichteten, Restaurantschiff Klipper. Ein paar Meter weiter sehen wir dann schon die farbwechselnde Beleuchtung der ‘Soul kitchen‘ auf der Insel. Noch eben kurz über die Brücke huschen … yeah. Und da sind tatsächlich überall MENSCHEN! Ganz real und live! Kuschelnde Pärchen sitzen im Restlicht der bereits untergegangenen Sonne. Grüppchen feiern, tanzen und singen (leise!). Sogar Nacht-Jogger, Radfahrer und Scooter sind – berlintypisch – auch hier und jetzt unterwegs … Alle mit Abstand und trotzdem ist keine/r allein.

Wir suchen uns ein lauschiges Plätzchen mit Blick auf Berlin Mitte und die Halbinsel Stralau. Es blinkt und funkelt weiterhin überall – auf den Bojen vor uns, auf den vorüberfahrenden Schiffen, Kanus, Flössen und überhaupt.

Die Luft ist warm & mild. Ein leichter Wind weht. Die ersten Fledermäuse kommen aus ihren Verstecken. Obwohl viel los ist, wirkt alles ruhig, beschaulich & gemütlich. Wir nippen an unserem Wein, trinken ihn stilecht direkt aus Flasche, knabbern die Chips, fühlen uns jung & unbeschwert, reden über Gott & die Welt – mitten auf einer Insel, inmitten dieser Stadt, an einem Samstagabend Mitte September.

So etwas gibt’s wohl nur in Berlin.
Zum Glück. Und hoffentlich für immer.

Published inKolumne

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