Savoir vivre?

„Sommer in Villefranche“
Birgit Hasselbusch
  • dtv premium
  • 288 Seiten
  • ISBN 978-3-423-26122-7
  • 10. März 2017
  • 14,90 €
Plötzlich Französin!

Insa Nicolaisen (40) befindet sich gerade in einer Phase im Leben, in der man sich für a) durchhalten oder b) die Flucht nach vorn entscheiden kann. Insa entscheidet sich für Variante b), nimmt die Flucht wörtlich und wandert aus. Und zwar genau dorthin, wo sie die glücklichste Zeit ihres Lebens verbracht hat: Südfrankreich. Was malerisch klingt, ist es auch – bis einige unvorhergesehene Dinge geschehen…

Ein Aussteiger-Roman? Eine Liebesgeschichte? Ein Frankreich-Trip? Eine Hymne an die Freundschaft? Von allem etwas – und das nicht zu knapp!

MEINE REZENSION

Vorweg: Der Roman liest sich flüssig, ohne Überraschungen und mit viel französischem Savoir Vivre auf deutsche Art – simply summer. Punkt.

Insa ist für mich eine Frau mit viel Potential, das sie jedoch privat und beruflich nicht wirklich zu nutzen scheint. Eine Jugendliebe verprellt, eine Ehe hinter sich und vom langjährigen Freund hintergangen, bewirbt sie sich als Housesitter in Südfrankreich – an der Côte d’Azur. Damit kehrt sie zurück an einen schmerzhaften Punkt ihrer Vergangenheit und den Ort, an dem sie Matthieu verließ – wegen eines Missverständnisses? Wegen ihres Verlobten in Hamburg? Warum auch immer, der Leser/die Leserin werden es im Verlaufe des Romans erfahren.

Insa begegnet Véronique – erst sperrig, findet sie doch in ihr eine Freundin oder gar Seelenverwandte. Die Schwester der Protagonistin betritt überraschend die Bühne – ist ihr Leben mit Mann und Töchterchen Mia doch nicht so perfekt wie es nach aussen scheint? Fakt ist, die Auszeit tut den Schwestern gut, sie rücken zusammen und vieles Ungesagte wird endlich auf den Tisch gebracht. Schön, wenn sich zwei Entfremdete wieder zusammenfinden.

Es gibt einige französische Wörter, Sätze, Passagen – die ich sehr genoss, ebenso wie die Beschreibung der Orte und Sehenswürdigkeiten der Côte d’Azur, von Antibes mit Picasso bis Monaco ist alles dabei und auch das Hinterland kommt nicht zu kurz. Ich sehe die Häuser auf dem Land ebenso wie die Gassen von Nizzas Altstadt mit den teuren Boutiquen vor mir. Ich kann das Meer riechen, den Sand des Strandes und die Steine der Berge unter meinen Füßen spüren und weiß, auch ich muss bald wieder zurück dorthin, wo das Leben so viel leichter zu sein scheint und die Menschen wissen, wie man das Leben genießt – Savoir vivre eben.

Zurück zum Roman. Die Story scheint vorhersehbar, aber zugleich unrealistisch. Von der dekadenten Hochzeit über den jährlichen Post auf Matthieus Facebook-Seite bis zum finalen Höhepunkt, der ebenfalls sehr konstruiert wirkt. Mal im Ernst, gibt es einen Mann, der SECHZEHN Jahre postet und dabei auf irgendeine Reaktion warten würde? Ja? Wo finde ich den? Ach ja, in Südfrankreich… Hier werden so einige Klischees wunderbar bedient… doch das wird nicht verraten. Frau Hasselbusch gelingt es dennoch, den Leser /die Leserin mit auf eine Reise zu nehmen. Manchmal muss/sollte man/frau weggehen, um (bei sich oder sonstwo) anzukommen. Wo genau Insa, Jana und die anderen ankommen, müsst Ihr schon selbst herausfinden.

Das Cover ist so la la – Mainstream, nichts wirklich auffallendes.
Text-Kostproben gefällig? Bitteschön:

„… und sah aus wie eine französische Frauen-Backmischung, eine Art Cathérine Barteau. Also eine Mix aus… Deneuve, Bardot und Marceau.“ S.47

„… mein Lieblingskleid. Auch Max hatte es gemocht, vor allem, wenn er es auszog. Gedanke, hau ab!“ S.66

„Meerblau, azurblau, korallenblau, himmelblau, hellblau, blaublau, totalblau. Wir machten blau.“ S.128

Mein Tipp für den Sommer 2017:
Roman schnappen, Füße hochlegen, einen trockenen Weißwein genießen und fix mal eben auslesen, dann weglegen oder verschenken und nachts heimlich von der Côte d’Azur, tollen Franzosen und dem Savoir vivre träumen.

Vielen Dank an den dtv für das Rezensionsexemplar!

Von mir

3/5

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