Projekt X

Das Kleiderschrank-Projekt
Anuschka Rees

Der Kleiderschrank ist voll bis oben hin und trotzdem beschleicht einen immer wieder das Gefühl, nichts zum Anziehen zu haben. Preisaktionen verleiten uns zu unüberlegten Fehlkäufen und bis das passende Outfit steht, vergeht Morgen für Morgen viel mehr Zeit, als uns lieb ist.
In Zeiten von Fast Fashion und ständig wechselnder Modetrends fällt es schwer, Kleidungsstücke auszuwählen, die perfekt zu einem passen und die man lange und selbstbewusst trägt. Genau an diesem Punkt setzt Anuschka Rees an: Sie gibt nicht vor, welche Teile jede Frau unbedingt in ihrem Schrank hängen haben sollte, sondern leitet dazu an, ganz individuell herauszufinden, was man wirklich braucht – und was nicht. Sie präsentiert einfache und überzeugende Strategien, um den eigenen Stil zu entwickeln, und zeigt, wie man mithilfe der richtigen Technik lernt, erfolgreich auszumisten, bewusster zu konsumieren, gute Qualität zu erkennen und das beste aus seinem Budget herauszuholen.
Ganz egal, ob Sie sich schon immer leidenschaftlich für Mode interessiert haben oder noch ganz am Anfang stehen – ›Das Kleiderschrank-Projekt‹ wird Ihnen dabei helfen, Schritt für Schritt eine Garderobe zusammenzustellen, die genau auf Ihr Leben zugeschnitten und so vielfältig ist, dass unendlich viele Kombinationsmöglichkeiten für jeden Anlass entstehen.

Zuerst ein paar Worte zur Autorin:Anuschka Rees

Anuschka Rees ist freie Autorin und lebt in Berlin. Sie studierte Sozialpsychologie an der London School of Economics und beschäftigt sich seit Jahren mit der Komplexität menschlicher Entscheidungsprozesse.

Das Kleiderschrank-Projekt (The Curated Closet im Original) ist ihr erstes Buch.

anuschkarees.com
instagram.com/anuschkarees

MEINE REZENSION

Nein, ich bin keine Fashionista, die sich stundenlang auf Mode-Blogs herumtreibt. Früher habe auch ich Frauen-Magazine gewälzt, um Inspirationen zu sammeln. Heute lese ich die nicht einmal mehr im Wartezimmer oder beim Frisör. Irgendwie sah an mir immer alles blöd aus. Ich bin weder eine Size Zero noch eine Stil-Ikone und ich wandle auch überaus selten auf dem Red carpet.

Nun, mein Kleiderschrank war inzwischen zum Bersten gefüllt. Immer wieder ließ ich mich durch ein Schnäppchen zum Kauf von Klamotten verführen, die dann letztendlich weder zu mir noch zum Rest des Schrankes passen wollten.
Wohin war mein ganz eigener, persönlicher Stil verschwunden?
Habe ich je einen gehabt?
Falls nein, will ich wieder einen haben – und zwar ziemlich pronto.

Natürlich habe auch ich mich an Trends gehalten und nicht unbedingt Schlaghosen getragen, während Skinny-Jeans on vogue waren. Aber mit Mitte 40 und ein paar Kilogramm mehr auf den Hüften als früher, fühlte ich mich in vielen Sachen einfach unwohl. Da waren das Blümchenkleid, in dem ich irgendwie dauerschwanger und immer blaß aussah. Dann waren da die vielen verschiedenen Jeans – aus jeder Mode-Epoche gefühlt mindestens eine und in fast alle würde ich NIEMALS wieder hineinpassen, geschweige denn mich darin wohl fühlen. Röcke? Ja, aber trug ich einen von ihnen? Nein.
Das alles musste und sollte sich ändern. Ich wollte endlich morgens keine Modenschau mehr veranstalten, mich wieder und wieder umziehen, um dann doch mit einem Kompromiss-Outfit ins Büro zu latschen und mich dort den ganzen Tag unwohl zu fühlen. Ich wollte für jeden Anlass gewappnet sein, zielsicher das für mich und die Termine passenden Teil schnappen können, anziehen und selbstbewußt in mein Office schweben. Das war es, was ich wollte!

Vielen Dank an den duMont-Verlag, der mir freundlicherweise ein Rezensionsexemplar zur Verfügung stellte. Das Experiment konnte also beginnen…

Ich begann zu lesen. OMG, ich soll eine Inventur machen? Täglich mein Outfit knipsen und meine Gefühlslage dazu notieren? Das dauert ja Monate! Nun gut, bleiben andere Projekte halt mal liegen.
Und ich legte los. Jeden Morgen schoss ich ein paar Selfies und machte mir abends Notizen.
Irre, was allein das auslöste und wie anders ich mich plötzlich wahrnahm. Blickwinkel verändern – aha. So wirkte also meine Kleidung, so wirkte ich darin. Zügig wurde mir bewußt, warum ich mich in einigen Sachen unwohler fühlte als in anderen. Das war nicht ich. Oder sie waren für meine körperlichen Gegebenheiten absolut unvorteilhaft geschnitten – lauter Gründe, warum ich dies oder jenes immer wieder in der letzten Ecke verstauben ließ.

Kleiner Eindruck gefällig? Bitteschön:

Nebenbei betrieb ich vorschriftsmäßig Recherchen – was tragen andere? Was gefällt mir? Was kann ich mir an mir vorstellen? Instagram lieferte Inspirationen – ich speicherte, sortierte, verwarf, druckte und schnitt aus, klebte alles auf ein Moodboard – und …
… entwarf damit meine ganz eigene Fashion-Landkarte:

Nun galt es meinen Stil zu definieren… ?!?!
Hmmm. Schwierig.
Klassisch? Maskulin? Feminin?
Auf jeden Fall ziemlich weiß-schwarz-grau mit Farbtupfern…

Inzwischen interessierte ich mich mehr und mehr für Minimalismus.

Dazu las ich von Lina Jachmann „Einfach leben“ aus dem Knesebeck-Verlag. Ein Guide für einen minimalistischen Lebensstil, ein guter Einstieg in die Thematik und für mich eine Quelle der Inspiration. Ein Buch, dass ich sicher noch hier besprechen werde und dass ich wirklich empfehlen kann.

Dieser Minimalismus-Ratgeber im Magazin-Look stellt in über 200 Bildern, aufgeteilt in die Kapitel Wohnen, Mode, Körper und Lifestyle einen minimalistischen Lebensstil vor. Inspirierende Homestorys zeigen, wie eine minimalistische Wohnung aussehen kann, wie man perfekt Ordnung schafft oder wie es sich in einem Tiny House lebt. Die Autorin blickt in einen aufgeräumten Kleiderschrank mit wenigen, unterschiedlich kombinierbaren Kleidungsstücken und zeigt, wie man überlegt einkauft und dabei seinem Stil treu bleibt. Außerdem erfährt der Leser etwas über nachhaltige oder selbst hergestellte Kosmetik, aber auch Rezepte und Tipps für das minimalistische Denken, Digital Detox, Work-Outs, Reisen, Zero Waste oder nachhaltigen Konsum sind enthalten.

Und ich sah – ganz in Familie – den unglaublich eindringlichen, finnischen Film
„My Stuff – Was brauchst du wirklich“ von Petri Luukkalnen

Dokumentarfilm und Experiment über ein Jahr, in dem der Regisseur seinen ganzen Kram und Besitz ausräumt und sich pro Tag nur ein Stück davon wiederholen darf.

Auf zum nächsten Schritt – DETOX für meinen Kleiderschrank. Auf der Doppelseite 106/107 im Buch findet sich eine übersichtliche Grafik, die durch den eigenen Kleider-Dschungel führen soll und Entscheidungshilfen bereithält.
Jetzt war ich bereit für meinen Kleiderschrank. Was ich nicht ahnte – vor mir lagen VIER Stunden harter Arbeit..

Ergebnis? Mein Schrankinhalt ist ordentlich geschrumpft. Bisher vermisse ich nichts und habe seither nichts neues gekauft. Morgens geht es schneller, da ich viele Outfit-Kombis bereits im Kopf habe – einfach aufgrund der übersichtlichen Anzahl meiner Kleidungsstücke.

Für den Sommer möchte ich mein Moodboard erweitern und dann doch vielleicht mein Portfolio um ein paar Teile ergänzen. Es geht also weiter… Ich bin gespannt und werde berichten.

Zum Buch selbst; es ist gebunden, hat ein Lesebändchen. Durch die Bindung liest es sich etwas schwierig und bleibt kaum offen liegen. Das ist bei einer solchen Projektarbeit etwas hinderlich, wenn man die aufgeführten Listen abarbeiten oder etwas nachschlagen möchte.
Das Cover selbst kommt in natürlichen Farben daher – dezent von Nude über Creme zu Pastellblau und hellem Grau. Über allem prangt in großen schwarzen Lettern der Titel. Die Titelgestaltung behagt mir nicht so sehr. Das mag an der Schriftart, der Platzierung oder der Schriftfarbe liegen. Nude als Blickfang zieht sich auch durch das Buch bei der Gestaltung von Textpassagen oder Kapitelbildern. Ja, es gibt Fotos, jedoch nicht allzu viele. Doch alle miteinander sind sind sehr ansprechend und minimalistisch.

MEIN FAZIT:

Ich habe viel gelernt, über mich, über Notwendiges und Überflüssiges. Ich habe mich dem Thema Minimalismus genähert, meine Familie & Freunde positiv infiziert und das Buch schon oft wärmstens empfohlen.
Ohne wenn und aber: 5 von 5 Sternen – merci!

Songs, die mir dazu einfallen:

Von mir

5/5

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