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Beherbergungsverbot


“B E H E R B E R G U N G S V E R B O T” – Watt ein hässliches Wort. Punkt.

Dabei ist ‘beherbergen’ ein so schöner Ausdruck dafür, jemanden als Gast bei sich aufzunehmen, jemandem Unterkunft zu bieten (sagt sogar Herr Duden). Was wird jetzt daraus gemacht? Ein Verbot. Für wen? Für Menschen aus – auch deutschen – Risikogebieten. Was sind Risikogebiete? Das wird nach den aktuellen Corona-Zahlen bestimmt. Wer soll das beaufsichtigen? Keine Ahnung.

Und jetzt? Bekommen wir “Riskanten” einen Chip, einen Ausweis, ein Zeichen *erschrockenguck* ? Werden wir nun abgewiesen, weil wir – zuerst aus einem betroffenen Berliner Bezirk – oder nun überhaupt aus der risikobehafteten Hauptstadt kommen?
Wieviel Einwohner hat Berlin doch gleich? 3,769 Millionen. Wow.

Ihr seht mich leider ratlos und da helfen auch die Leihräder mit dem schönen Spruch nicht, die ich gestern am Bahnhof Jannowitzbrücke entdeckte.

Hotels, die gebucht waren, Ferienwohnungen, die reserviert wurden … Über Nacht alles passé? Familie besuchen – geht wohl noch, dringende Dienstreisen – geht wohl auch.
Mal richtig rauskommen – geht wieder nicht.

Heute ist der letzte Schultag in Berlin, bevor die zweiwöchigen Herbstferien beginnen. Kein Paris, kein Straßburg. Darauf hatte ich mich bereits eingestellt. Worauf ich – wie Millionen andere ganz sicher nicht – vorbereitet war und bin, ist, dass nun auch Urlaub in vielen Teilen Deutschlands wegfällt. Hatten wir gerade. Ich erinnere mich. Abgesehen von den Dollarzeichen in den Augen der Hoteliers, die nun auch nichts mehr bringen, habe ich ehrlich keine Lust mehr, irgendetwas zu suchen oder gar zu buchen. Inzwischen habe ich sogar Sorge, ob unser lang geplanter und gebuchter Londontrip zu Ostern 2021 und auch Feste wie Kommunion und Jugendweihe erneut ins Wasser fallen werden. “Rad/tlosigkeit” auf allen Seiten.

Corona ist und bleibt gefährlich. Und nie würde ich einen aggressiven und unter Umständen sogar tödlichen Virus wie diesen unterschätzen oder gar verharmlosen. Bereits vor vier Wochen habe ich mir – mit Mann und Maus (ähm Kind) – die Grippeschutzimpfung abgeholt, um mich und andere besser zu schützen. Schließlich fahre ich täglich Bus & Bahn – wie meine treuen Leser*Innen sicherlich wissen.

Die mit den langen Beinen rechts im Bild (Anm. d. Red. – bin icke) fragt sich ernsthaft, ob mit einem Beherbergungsverbot noch das Gebot der Verhältnismäßigkeit gewahrt ist? Ich darf mich also ins Auto, den Bus, die Bahn setzen und irgendwo hinfahren, dort umherlaufen, ins Museum gehen, vielleicht sogar was Essen oder ins Kino – oder muss ich auch dafür auch einen max. 48h alten, negativen Coronatest vorzeigen? Den eigentlich WER bezahlt und den ich eigentlich WO bekomme? Egal. Und dann muss ich brav wieder ins Auto, die Bahn, den Bus steigen, um gefälligst nur – und ich betone NUR – zu Hause zu nächtigen. Und andere dürfen beherbergt werden ??? Die haben vielleicht Hochzeit gefeiert oder Geburtstag … Wer weiß? May be?

Seit Monaten halte ich mich – wie auch Millionen andere sich – an alle Regeln und werde nun mit 3,769 Millionen in Sippenhaft genommen für die, die gegen alles sind?
Ich kann Mitmenschen in der Bahn nicht dazu zwingen, ihre MNA (Mund-Nase-Bedeckung)
a) richtig und nicht nur als schmucke Kinnbedeckung oder
b) überhaupt zu tragen. Ich kann nur böse gucken – mach ich auch regelmäßig.
Ich kann keine Hochzeitspartys, illegalen Raves oder Geburtstage daheim oder in Kneipen verhindern – wer bin ich denn? Aber ich habe doch auch ein Recht, unter Einhaltung von AHA meine Beinchen ins kalte Nass der Nord- oder Ostsee zu halten, wenn ich das mögen würde? Gesagt wird, dass die Infektionsgefahr in Schulen, Kitas, beim Einkaufen und im Nahverkehr vergleichsweise gering sei. Steigt sie, wenn ich mit meinen Lieben in einem Hotel nächtige, wir auf den Fluren unsere MNA tragen und aufs Buffet verzichten?

In der Tat fühle ich mich auf eine merkwürdige Weise diskriminiert – fast so wie vor vielen, vielen Jahre als es Ausreiseverbote für einen Teil Deutschlands gab. Was soll mit einem Beherbergungsverbot (nicht mal die Rechtschreib-Erkennung mag das Wort :P) tatsächlich bezweckt werden? Der wohl größte und durchaus auch nachvollziehbare Wunsch unserer Regierung ist es sicher, die Menschen dazu zu bewegen, zu Hause zu bleiben, um Ansteckungen zu vermeiden. Verstehe ich. Kann ich wirklich ehrlich verstehen.
Doch in einem Land wie Deutschland, bei dem sich die Bestimmungen an jeder Bundesländergrenze ändern, wie muss ich mir das da genau vorstellen? Werde ich kontrolliert oder gar gemobbt, wenn ich mich mit einem Berliner Nummernschild weiter von der Hauptstadt entferne, als ich es zum Übernachten wieder nach Hause schaffen könnte? Und muss ich dann im Auto schlafen oder im Zelt übernachten?

Können aufgrund der aktuellen Zahlen (aller Zahlen) erneut die Grundrechte auf Freiheit der Person (Artikel 2 Abs. 2 Satz 2 des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland ), der Versammlungsfreiheit (Artikel 8 des Grundgesetzes) und der Unverletzlichkeit der Wohnung (Artikel 13 Abs. des Grundgesetzes) eingeschränkt werden? Ich befürchte fast, ja. Auch wenn es teilweise schwer zu ertragen ist. Niemand möchte in Deutschland Szenen wie in Italien, Spanien oder Frankreich während der ersten Corona-Hochphase erleben.

Zugleich bin ich verwirrt, ob all der Fragezeichen, auf eine bestimmte Art wütend (auf die Ignoranten da draußen, das Durcheinander der Politik im Allgemeinen und dieses Virus im Besonderen) und irgendwie auch verzweifelt und ratlos , wohin all das führen mag.

By the way – ICH halte mich an das Beherbergungsverbot für kleine grüne Springtiere und graubraune Achtbeiner, die ungefragt des morgens auf meinem Haustürgriff oder darunter lauern und nicht mal um Einlass in meine Herberge bitten.

Wo kommst du denn her? Ah, aus Berlin also! So so.
Nix da. Draußen bleiben!

Published inKolumne

Ein Kommentar

  1. Heike

    Am Freitag mit Berliner Kennzeichen auf Rügen rumzufahren war schon echt crazy. Zumal man nicht mehr einer unter vielen war, irgendwie fühlte man sich nicht so willkommen, also Urlaub abgebrochen und ab nach Hause.
    Das ist schon eine verrückte Zeit mit vielen neuen Herausforderungen – auch für Reisende!

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