Kate@eight – Servicewüste Spreewald

Meine Kolumne um 8


Ok, mein Wunsch dieser Woche – Den kennt Ihr noch nicht? Davon erzähle ich ein anderes Mal : Ein Familien-Ausflug mit den Mädels nach Lübbenau in den Spreewald, um dort mit Kanu oder Kajak ein wenig umherzuschippern und die letzten wärmenden Sonnenstrahlen zu genießen. Haben wir schon mal vor ein paar Jahren spontan gemacht, war lustig, wollte ich wiederholen.

Es ist 10:00. Noch eben online das Berlin-Brandenburg-Ticket für 29 EUR geshoppt, mit viel Überredungskunst und Geduld alle vier sogar überpünktlich auf dem Bahnsteig. Der RB24 kommt mit Verspätung, während ein Bauzug in entgegengesetzter Richtung durch den Bahnhof brettert – ohne Vorankündigung übrigens. Wow, ganz schön erschrocken. Nun, das mit der Verspätung konnte ja keiner wissen oder? Im Zug hocken viele ältere und alte, zumeist recht laut und permanent redende, Semester sowie ein offenbar antiautoritär erzogenes Geschwisterpärchen um die 2 bis 4 mit seinen Eltern. Ich bin tolerant und habe eine relativ hohe Schmerzgrenze bei sowas. Die des Gatten ist da niedriger. Allerdings muss ich zugeben, dass das Gerumse der – durch die Knirpse, intensivst zu testenden – Klappsitze wirklich nur schwer zu ertragen ist … aber als Mutter. Naja. Unsere Mädels – sind zwar deutlich älter – dafür jedoch vorbildlich brav, lesen und surfen. Seufz.

13:10 Ankunft im schönen Spreewald. Fußmarsch vom Bahnhof durch die blitzsaubere Einöde bis zum Ortskern, wo uns ohrenbetäubender Lärm empfängt: Kreativ-Wochenende der Kettensäger und -sägerinnen. Es liegen riesige Baumstämme herum, aus denen Kunst entstehen soll. Die Angemeldeten dürfen sich daran offenbar selbst verwirklichen. Zum Zuschauen ist es allerdings viel zu laut und viel zu staubig.

Nochmals einen halben Kilometer weiter kommen wir zum „Hafen“ von Lübbenau. Wo gibt’s denn jetzt hier Kanus oder Kajaks zur Leihe? An jeder Ecke werden wir „höflich eingeladen“, uns durch die Kanäle des Spreewald gondolieren zu lassen. Nee lass ma, wir wollen lieber selbst. „Ja, aber nicht bei uns“, lautet die nette Antwort der rundlichen Dame in Gondoliere-Uniform. Fehlt nur noch das ‚Ätsch‘. Und Kanus? Ein Haus weiter auf’m Hof.

„Alle weg.“. Hä? Wie jetzt? Alle weg? „Also da müssen Sie eine Woche vorher schon fürs Wochenende reservieren und unter der Woche mindestens drei Tage vorher. What? Ach so, ja klar, wie konnten wir auch nur auf die irrsinnige Idee kommen, man könne sowas sonntags um 13 Uhr spontan machen wollen? Gatte ruft – inzwischen frustriert und leicht genervt – noch einen weiteren Vermieter an. Antwort diesmal, so gegen 15 Uhr kämen die ersten Paddler wohl zurück. Das wäre dann in 2,5 Stunden. Och nö.

Nun, dann gönnen wir uns eben eine „Riesenwaffel“ bei … (ist auch egal, jedenfalls direkt am Hauptkanal). Doch der hat noch nicht einmal sein Waffeleisen geheizt. Warum dann diese Welle von Werbung? Nase voll. Lasst uns irgendwo einen gepflegten Kaffee trinken. Danach geht’s dann halt heimwärts ohne Paddeln und ohne Waffeln, aber mit noch extrem gechillten Girls im Schlepptau. Respekt.

Oh, ein Café mit Garten. Schön. Oh, ein freier Tisch. Auch schön. Kartenzahlung? Nee, leider nicht, nur bar. Wie bitte? Gar nicht schön. Warum kann ich in Poznan jeden Minibetrag sogar beim Bäcker mit Karte zahlen und im Spreewald nicht mal eine Kaffeerunde mit sicherlich ü20 EUR? Gibts hier kein Netz oder was?
Zum Glück reicht das Bare noch für drei Stück Kuchen mit Kaffee und eine Eisschoki. Der Pflaumenstreuselkuchen mit Sahne ist ein Traum – reißt’s aber auch nicht mehr raus. Der Kaffee ist dünn, die Stimmung lau. Wenigstens die Sonne lacht.

Zwei Stunden nach Ankunft sitzen wir schon wieder im RB24 nach Berlin – es ist derselbe wie vorhin, nur die Richtung hat gewechselt. Aber hey, dieser vorerst letzte Versuch eines Paddel-Ausflugs ins tiefste Brandenburg war wenigstens klimaneutral. Sorry, Spreewald, aber so nicht.

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