Kate@eight – Bellissima

Es ist Samstagmorgen 3:00 Uhr als ich beschwingt – oder doch eher todmüde – aufstehe. Yeah, es geht heute für 4 Nächte mit Mann und Kind in die Ewige Stadt oder besser: in deren Nähe auf einen Campingplatz in ein „Luxus-Mobilheim“ à la Eurocamp. Ich gebe offen zu, es war ein Schnäppchen – ein wirkliches Schnäppchen, das mich zu dieser Buchung verführte. Die Unterkunft war mir mit massig Prozenten für die Nachsaison angeboten worden. Da konnte ich einfach nicht widerstehen. Ein Auto vor Ort wurde günstig über Billiger-Mietwagen.de gebucht. Nur die An- und Abreise per Flieger war vergleichsweise teuer, darf auch so sein – ein kleiner Beitrag fürs Weltklima und für das eigene ökologische schlechte Gewissen.

Doch zurück zum Beginn des Geschehens. Einen lecker Espresso 2 go daheim, der Regen prasselt aufs Dach. Es ist 4 Uhr. Premiere – ich starte die myTaxi-/freeNow-App. Oh, ein Begrüßungsangebot: für nur 5 Euronen ein Taxi zum Flughafen? Die App sucht nach einem Fahrer und sucht und sucht und findet einen, der losfahrt und nach ein paar Minuten die Tour dann doch ablehnt. Die Minuten verrinnen. Sag mal, wollen die uns auf den Arm nehmen oder was? Aber mal ehrlich, für den Preis würde ich auch echt Niemanden Samstag früh um 4 Uhr durch Berlin kutschieren. Kurzum, Buchung zum regulären Fahrpreis angefragt und schau an, nur 5 Minuten später steht der, mit 5 ***** bewertete, Fahrer vor unserer Tür. Es regnet noch immer cats and dogs. Berliner Taxen dürfen selbstredend nur in die Kurzzeitparkzone des Flughafens – auch Kiss & Fly Zone genannt – und nicht etwa direkt vor den Flughafen fahren. Super, schönen Dank auch. Ok, „kissen“ will ich den Fahrer bestimmt nicht, aber „flyen“ schon. Es regnet ja überhaupt nicht und außerdem finde ich das echt doof und unfair und sowieso. Naja. Wir sind immerhin pünktlich am Terminal, auch wenn dieser natürlich am weitesten entfernt von der lustigen Parkingzone liegt. Ja, so ist das mit den Billigfluglinien.

Alles klappt easy, aber eingecheckt hatte ich uns ja schon. Also ab durch die Security und dann einen ruhigen Platz suchen. Warum schlafen so viele Menschen auf den so wenig vorhandenen Sitzen? Ach ja. Es ist noch nicht mal 5 Uhr. Aber wer nett weckt, darf auch sitzen. Andere Familien sind da deutlich weniger mutig und irren verstört umher. Man kann ja auch schließlich nie so genau wissen, auf welche Kategorie Morgenmuffel man unter Umständen trifft. Unser Exemplar räumt miesepeterig 3 der 4 von ihm belegten Sitze. Dafür habe ich von links die Füsse einer anderen Dame fast auf meinem Schoß. Manno. Aber hey, wir haben Urlaub und fliegen gleich gen Süden…

Etwas weniger gechilled bin ich dann allerdings als unser rappelvoller Shuttle zum Flieger ehrliche 10 Minuten auf dem Rollfeld steht und jemand in meiner Nähe seine Körperwinde so gar nicht unter Kontrolle hat.

Der Flug selbst ist ruhig, bis auf die nervenzerreißenden Werbedurchsagen der Crew, die selbst Rammstein per Kopfhörer nicht übertönen können. Die Landung ist eher unsanft und die Suche nach dem Mietwagenanbieter langwierig, trotz überschaubar kleinem Flughafengelände am Airport Ciampino. Doch noch vor 9 Uhr sitzen wir im – noch recht neuen und dennoch schon leicht lädierten – Upgrade, weil der bestellte Kleinwagen nicht zur Verfügung steht. Keine Stunde später – Ankunft bei Eurocamp. In flüssigem Ultraschall-Geschwindigkeits-Englisch erklärt die junge Dame an der Rezeption, dass wir ab 15 Uhr einchecken können – funfact by the way: Nach dem Zustand unseres Trailers beim Check-in am Nachmittag später zu schließen, hatte hier seit Tagen oder gar Wochen niemand logiert.

Am Lido di Ostia

Wir haben also noch 5 Stunden Luft. Also, rein ins Auto und die einzige, große, lange Straße Richtung Westen genommen. Knapp 20 Minuten später parkt unser FIAT 500L am Lido di Ostia, dem Stadtstrand der Römerinnen und Römer. Ich zerre beherzt drei Strandtücher aus drei Trolleys und schon schlummern wir friedlich im dunklen Sand am Lido und lauschen dem Tosen der riesigen Wellen des blauen Mittelmeeres bei strahlendem Sonnenschein und einer steifen Briese.

Als wir Stunden später unsere steifen Gliedmaßen strecken, sind die Einheimischen ringsherum in ihrem Element. Ist ja auch Samstagnachmittag. Es ist erfrischend, ihnen zuzuschauen. Und endlich – mit mega Espressodurst – trauen wir uns auch in die nahe Strandbar „Il Curvone“. Erstes Italienisch seit über einem Jahr – für 2 Kaffee und ein Eis reicht’s noch. Während Kind und Mann auf die Bestellung warten, schnappe ich mir beherzt einen just freiwerdenden Tisch für drei. Während ich verträumt auf die glitzernde Meerespracht schaue, passiert das Unfassbare…

Trotz Ansatz und leicht zerzaust…

Ein wirklich alter Herr mit seiner weiblichen Begleitung am Nebentisch spricht mich auf Italienisch an: „Signora, i suoi capelli sono bellissimi“ und zeigt dabei mit einer wellenartigen, leicht drehenden Handbewegung auf seine Haare. Seine Begleiterin nickt begeistert und zustimmend. WHAT? Ich werde rot bis unter meine Sonnenbrille und versuche, mich irgendwie in der Landessprache für das Kompliment zu bedanken.

Ist das gerade wirklich passiert? Ein Pärchen zwischen 70 und 80 lobt meine Frise? Ich habe am Abend vorm dem Abflug wieder einmal meine silberweiß gefärbten Haare um ein Haarband gewickelt. Und ja, dieses ehrliche, spontane Kompliment ohne Anmache oder Hintergedanken macht mich happy und ist mein Highlight des ersten Tages in der Ewigen Stadt Rom.

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