Zeit ist relativ

DIE SCHÖNSTE UND DIE TRAURIGSTE ALLER NÄCHTE
von Maurício Gomyde

  • Broschiert: 384 Seiten
  • Verlag: Rowohlt Taschenbuch
  • Auflage: 1. (20. August 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3499000482
  • übersetzt von: Johanna Schwering; Viktoria Wenker

«Mein Name ist Victor. Vermutlich haben Sie schon jede Menge Liebesgeschichten wie diese gelesen, aber ich versichere Ihnen, es waren alles Geschichten. In meinem Fall, so unglaublich es klingt, ist alles wahr. Ich habe ein Geheimnis, das ich mit niemandem teilen kann: Starke Gefühle bringen meine Zeit manchmal durcheinander. Wenn ich glücklich bin, springe ich zurück in die Vergangenheit. Wenn ich traurig bin, geht es in die Zukunft. Das kann Sekunden oder Minuten dauern, höchstens ein paar Stunden. Ich kann keinen Einfluss nehmen auf den Verlauf der Geschichte. Aber es hat mir schon so viel Ärger eingebracht, dass ich mich ans Ende der Welt zurückgezogen habe und versuche, nie wieder glücklich oder traurig zu sein.
Die Ursache für all das? Amanda. Warum? Weil unsere Liebe unerfüllt bleiben musste. Wird es eines Tages enden? Keine Ahnung. Doch heute Morgen kam eine Einladung. Und ich denke, ich kann endlich herausfinden, ob das, was mir passiert, ein Fluch oder ein Geschenk ist …»
(Klappentext)

Maurício Gomyde wurde 1971 in São Paulo geboren und lebt heute in Brasília. Er ist Musiker, Kolumnist und Schriftsteller und hat bereits vier Romane veröffentlicht.  «Die schönste und die traurigste aller Nächte» ist die erste Übersetzung ins Deutsche.

MEINE REZENSION

Als mich die Ankündigung aus dem Rowohlt Verlag erreichte und ich die Möglichkeit bekam, den Roman als eBook vorab lesen zu dürfen, sagte ich zu. Warum? Die Klappe überzeugte mich. Zugegeben, ich habe einen Faible für Zeitreisende und daneben bin ich immer neugierig auf neue Autoren und deren Debüts oder – wie in diesem Fall – auf eine erste deutsche Übersetzung. Südamerikanische AutorInnen waren bisher kaum in meinem Repertoire. Die meisten meiner Protagonisten tummelten und tummeln sich in Europa. Diesmal spielt die Geschichte also in Südamerika.
Dieser Roman hat mich sehr überrascht. Und maybe ist die Zeit ja nicht nur für Victor relativ…

Hauptperson ist Victor. Sein Gegenpart ist Amanda. Ich wurde das Gefühl nicht los, dass die beiden wie zwei Magneten aufeinander wirken, die, obwohl sie sich anziehen sollten, jedoch immer wieder abstoßen. Woran liegt das? An Victors empfindlicher innerer Uhr, die bei großen Emotionen einfach so und immer wieder und zu den unmöglichsten Ereignissen aus dem Takt gerät? Wahrscheinlich. Doch ist Zeit nicht relativ?

Nun fragt sich der geneigte Leser resp. die geneigte Leserin zurecht, wird dies ein Fantasy-Roman? Hmmm, das ist nicht so einfach zu beantworten. Sicher, Zeitreisen sind nicht gerade ein reales Ereignis und dennoch hat dieser Roman soviel Reales in sich. Vielleicht sind es die Werte, die diese außergewöhnliche Story ausmachen: Menschen, die zu den Protagonisten stehen und die auf der anderen Seite, die ihnen schaden – mit und ohne Vorsatz. Daher ist der Roman für mich eher ein gesellschaftspolitischer Liebesroman mit einer phantastischer Note.

Der Autor lässt seine Geschichte in angenehm kurzen Kapitel mal aus Viktors und mal aus Amandas Sicht erzählen. Das macht sich für die S-Bahn unheimlich gut! Love it. Dabei ist „Glück“ das Dreh- und Angelwort für Victor. Wann ist man/frau wirklich glücklich?

„Das Glück kommt nur zu denen, die alles auf eine Karte setzen für etwas, das nicht weniger als perfekt sein darf.“

Seite 51 – aber ist das wirklich so?

„Niemand kann einen anderen Menschen glücklich machen, wenn er nicht selbst glücklich ist.“

Seite 160

„Glück ist die Gewissheit, dass unser Leben nicht umsonst geschieht.“

Seite 208

Diese drei Zitate zeigen eine Entwicklung hin zum Positiven. Victor und Amanda müssen dabei nicht nur gegen die Zeit und deren eigene Gesetze, sondern vor allem gegen ihre ganz privaten Dämonen kämpfen und dabei Vertrauen fassen – in sich selbst und in die, die sie lieben.

Mich auf diesen Autor ein und von der Geschichte überraschen zu lassen, war eine sehr gute Entscheidung für eine interessante Sommerlektüre.
Für die Einladung dazu und die Zusendung eines eBooks als Rezensionsexemplar bedanke mich recht herzlich beim Rowohlt Verlag.

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