Queen of Clean

Macht das glücklich, oder kann das weg?

von ULRIKE SCHÄFER

  • Taschenbuch: 416 Seiten
  • Verlag: Rowohlt Taschenbuch
  • Auflage: 1.
  • Erschienen: 17.12.2019
  • ISBN-10: 3499275805

Manchmal braucht es einen fremden Besen, 
um Platz zu schaffen für das Glück …

Die Hamburger Modelegende Ella Castello, die den Sternen mehr vertraut als den Menschen um sich herum, zieht es zurück in ihre Heimat Rom. Doch zuvor muss sie sich von ihrer Villa an der Alster trennen – und von ihren Vintagekleidern, die sie wie einen Schatz hütet. Um endlich loslassen zu können, sucht die alte Dame Hilfe bei Aufräumberaterin Merle. Bei der disziplinierten jungen Frau scheint alles strikt nach Plan zu laufen. Aber nach und nach zeigt sich, dass auch in Merles Leben nur oberflächlich Ordnung herrscht, vor allem in Liebesdingen … Kann sie womöglich noch etwas von der temperamentvollen Ella lernen? Und schafft sie es endlich, auch in ihr eigenes Herz Klarheit zu bringen?

Eine charmante Freundschafts- und Liebesgeschichte für alle, die endlich aufräumen wollen in ihrem Leben.
(Klappentext)

MEINE REZENSION

Welche Erwartungen hatte ich an diesen Roman von Ulrike Schäfer, die laut Auskunft auf der Autor*innen-Seite des Rowohlt Verlages als PR-Beraterin und Journalistin arbeitet? Nach dortiger Aussage sei regelmäßig gründlich auszumisten für sie wie Wellness – vor allem das befreiende Gefühl danach.

Das will ich auch. Das möchte ich schon lange. Daran arbeite ich ständig.

Ich wollte kein weiteres Sachbuch dazu lesen à la „tu dies, mach das, nein – nicht so, sondern anders, sonst wird das nix“ und so weiter und so fort.
Ich war neugierig, wie eine Autorin dieses spannende Thema wohl in einem Roman verpacken würde. Nun, das erfuhr ich alsbald und das Buch las sich trotz der 400 Seiten mal eben locker weg. Wie tief es nachwirken wird, muss sich allerdings noch zeigen.

Ich lernte Merle und kurz auch deren Mutter kennen. Merle ist Mitte Dreißig, hat einen Freund, mit dem sie nicht zusammenlebt und arbeitet auf Probezeit in einer Beratungsfirma, die Menschen hilft, ihr Zuhause und damit oftmals auch ihr Leben zu entrümpeln. Hinter dem Namen der Firma hätte eher eine Amanda von Putzfeen vermutet, aber ich lasse mich natürlich gern eines besseren belehren. Die Mitarbeiter*innen von „Queen of Clean“ sind Aufräum-Feen und sie sind offenbar wirklich gut darin.

Merle bekommt als Social-Media-Betreuerin und Bloggerin ihren ersten Auftrag – Bühne, Licht, Musik, Auftritt: Ella Costello, ihres Zeichens Modeschöpferin aus den 80er Jahren, um die es seit langem still geworden ist und die eine Villa nahe der Hamburger Alster bewohnt. Den Inhalt dieser Villa gilt es für eine Dreizimmerwohnung in Rom tauglich zu reduzieren. OMG – eine Mammut-Aufgabe für einen Newbie wie Merle. Aber Merle scheut keine Herausforderung. Zunächst versucht sie es noch nach Lehrbuch, der alten Dame unter die Fittiche zu greifen, doch schon bald bedient sie sich ihrer eigenen Kreativität, um das schier Unmögliche zu leisten. Ich könnte mir vorstellen, dass viele ihrer Ideen auch in den eigenen vier Wänden helfen können, endlich Ballast loszuwerden.

Wenn ich allein an die Auflösung Ella’s Bibliothek denke… Meine eigenen Bücherregale sehe ich jetzt aber mit anderen Augen und hoffe, ich finde auch ohne Merle an meiner Seite die Kraft auch daran viel zu ändern.

Doch zurück zum Roman. Es gibt ein paar Zitate, die ich kommentiert wiedergeben muss:

„Ich war immer der Meinung, dass jede Frau im Grunde ihres Herzens einzigartig aussehen will und nicht wie das Abziehbild einer anderen. Das Einzige, was Frauen dazu bringt, andere zu kopieren … ist die Unsicherheit, ob sie ihren eigenen Kopf haben dürfen … „

Seite 81 – So denken also Modeschöpfer?!

„Frauen, die immer nur liebgehabt werden sollen, werden nie wirklich Stil haben.“

Seite 81 – Wow, was für eine Aussage von Ella.

„Wenn man etwas liebt, sollte man sich so oft wie möglich damit umgeben…“

Seite 113 – Also frage ich mich, warum schlummern unsere Lieblingsteile immer im Schrank und warten auf die eine besondere Gelegenheit, getragen werden zu dürfen?

Zum Thema Aufräumen selbst, gefallen mir diese beiden Zitate:

„Die meisten Menschen taten sich schwer mit dem Loslassen von Dingen, weil sie glaubten, damit einen Teil ihrer Identität zu verlieren.“

Seite 119 – Das gilt meines Erachtens vor allem für die vielen kleinen Dinge aus frühester Kindheit und Jugend.

„Unter den Bergen von Sachen, die ein Mensch im Laufe der Jahre ansammelt, schlummern seine Hoffnungen und Ängste. Es gilt also, erst den Ballast wegzuschaffen, um sich seinen Dämonen stellen zu können.“

Seite 297 – Eine überaus interessante, psychologische Sichtweise der Problematik

Und natürlich ist Glitzer wichtig – Ihr erinnert Euch? Ich liebe Glitzer!

„Mit viel Glitter“, … „Ich finde, in diesen Zeiten brauchen wir viel mehr Glitter! Schlichtheit ist ja ganz schön, aber mal ehrlich – ich habe diese dauernden Kombinationen aus Pulli und Hosen satt.“

Seite 292 – Wie wahr, wie wahr!

Und natürlich kommt auch das Thema Liebe nicht zu kurz – ganz gleich ob in Ellas oder Merles Leben. Eine hilft dabei der anderen, zum Teil ganz bewußt, zum Teil, ohne es zu ahnen. Es bleibt spannend.

„Einsam ist, wer für niemanden die Nummer eins ist.“

Seite 227 – Das bringt es so ziemlich auf den Punkt.

„Vielleicht war ja etwas dran an dem Spruch, dass die größte Liebe immer die unerfüllte ist.“

Seite 353 – Auch die erfüllte kann die wahre Liebe sein oder dazu werden.

Mein Fazit. Ella ist einfach herrlich. Ich sehe sie vor mir – diese italienische Powerfrau, eine Queen der Mode, mit dem tiefen Riss in der eigenen Vita. Und ich sehe Merle, die als Aufräum-Queen unscheinbar bleiben möchte, dabei fast unsichtbar wirkt und in der doch so viel Potential steckt. Wo sie am Ende landet, habe ich erhofft. Was sie am Ende tut, habe ich nicht erwartet.

Ein wunderbarer Roman, der sicherlich allerhand Klischees bedient, aber dabei letztlich so viel Zuversicht verströmt, dass mir ganz warm ums Herz wurde. Ja, man / frau kann an sich arbeiten und ja, „nur Erinnerungen sind Erinnerungen“.

Danke an den Rowohlt Verlag für das Rezensionsexemplar. Ich werde das Buch gern meinen Freundinnen weiterempfehlen.

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