Paris – La vie en rose

„Mein zauberhafter Buchladen am Ufer der Seine“
Rebecca Raisin
  • Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
  • Verlag: Rütten & Loening; Auflage: 1 (11. April 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3352008973
  • ISBN-13: 978-3352008979
  • Originaltitel: The Little Books Shop on the Seine

Buchhandlungen sind magische Orte, an denen manch einer ganz neue Wege für sein Leben zu entdecken vermag. Das zumindest findet die junge Buchhändlerin Sarah. Doch ihr kleiner, aber feiner Laden in der amerikanischen Provinz ist alles andere als eine Goldgrube. Und eine Lösung für ihre komplizierte Beziehung zu ihrem Freund Ridge findet sie hier auch nicht. Als eine Freundin aus Frankreich sie bittet, für eine Weile ihren Buchladen am Ufer der Seine zu übernehmen, zögert Sarah nicht lange. Doch dort erwartet sie alles andere als la vie en rose, und Sarah muss erst die Geheimnisse der französischen Bücherfreunde verstehen, um den unvergleichlichen Zauber von Paris entdecken zu können.

MEINE REZENSION

Ein Zufallstreffer, dieses Buch. Ich meine, es in einer der Verlagsvorschauen gesehen zu haben… Danke an den Aufbau-Verlag für die Übersendung eines Rezensionsexemplars.

Der Roman mit dem hübsch gezeichneteren Cover las sich flott, war amüsant, unterhaltsam, bisweilen nachdenklich und entwickelte sich vor allem nicht so vorhersehbar wie ich befürchtet hatte. Ja, ich ordne es der leichteren vorweihnachtlichen Lektüre zu. Buchladen- und Parisliebhabern empfehle ich den November als perfekten Lesemonat…

Doch zur Story. Die Klappe ist gut gewählt und gibt eine nette kleine Vorschau auf die Ereignisse. Hauptfigur ist Sarah – eine junge, eher unscheinbare Büchermaus aus den Staaten, die aus einem Impuls heraus ihren Buchladen gegen den von Sophie am Ufer der Seine eintauscht, natürlich nicht ahnend, welcher Mammut-Aufgabe sie sich gegenüber sehen wird. Ganz allein auf sich gestellt, kämpft sie gegen Windmühlen in Form unzuverlässiger Angestellter, sinkenden Umsatzzahlen und so ganz anderen Kunden als sie es aus ihrer beschaulichen Kleinstadt gewohnt ist. Sie nimmt die Herausforderung an und wächst auf den 320 Seiten, aufgeteilt in vierundzwanzig Kapitel (ist das ein Zufall oder eine Hommage an Xmas?), langsam zu einer neuen Sarah. Sie entdeckt nicht nur Paris, seine Bewohner und Geheimnisse, sondern auch an sich ganz neue Seiten. Sie vermißt ihren Freund Ridge schmerzlich, sie zweifelt an sich, an ihm, an ihrer beide Liebe, ihrer Kraft…

Interessant sind all die Menschen, die sie kennenlernen darf, Ozéane, Anouk, Beatrice, TJ und nicht zuletzt Luiz. Wie lange verwirrte mich eben jener schreibende Besucher der Buchhandlung „One upon a time“.
Ist er ein Kandidat für Sarah?
Wer ist der geheimnisvolle Briefschreiber namens Pierre und warum gibt es so viele Parallelen zu Sarahs Leben?

Das Buch beleuchtet durchaus eindringlich das harte – gar nicht so romantische – Leben einer Buchhändlerin, die ihren Beruf nicht nur liebt, sondern lebt und zeigt neben all den schönen Dingen eben auch die Schwierigkeiten auf.

„Mit dem Staubwedel in der Hand spazierte ich durch mein Geschäft und kitzelte die Buchrücken.. Was, wenn ich den Laden tatsächlich schließen müsste, wie es in letzter Zeit so vielen Geschäftsinhabern in unserer Stadt passierte?“ S.13

Ja, das Buch ist ein wenig kitschig, aber nie schwulstig, schmalzig. Ja, auch Sophie resp. Sarah wohnt natürlich – wie offenbar die meisten literarischen Buchhändler – direkt über der Buchhandlung und schaut Tag und Nacht auf Seine und Eiffelturm. SAVOIR VIVRE spielt eine große Rolle – Essen, Geselligkeit, Einkaufen, Pariser Chic, Kultur und Geschichte. Also nenne ich die Story insgesamt eher romantisch als kitschig, denn eines ist Sarah ganz sicher – eine hoffnungslos romantische Frau mit einer Vorliebe für Happy-Ends.

„Ich wollte nichts weniger als einen fleischgewordenen Romanhelden, der jeden grauen Tag in einen Festtag zu verwandeln vermochte…“ S.84

Es ist angenehm, Sarahs Rolle einzunehmen, wenngleich mir eine Identifikation mit ihr schwer fiel. Ich weiß nicht einmal genau warum. Eine letzte Distanz zu ihr konnte ich einfach nicht überwinden. Die in Ich-Form verfasste Rolle der Protagonistin war hilfreich, jedoch nicht ausreichend.

Der Roman hatte keinerlei Längen, sondern bot überraschende Wendungen und machte wieder einmal Lust auf Paris, die Entdeckung der Stadt und ihrer Bewohner.

„Paris ist anders als andere Orte… Sie verändert einen. Kriecht unter die Haut, und, egal wohin Sie gehen, Sie werden ewig davon träumen. Sie ist wie die erste Liebe, die einem das Herz bricht…“ S.181

 

„Manche Franzosen haben übrigens ihre eigene Sicht der Dinge, was Affären angeht. Es gibt Liebe, und es gibt Lust, und manchmal will man beides von unterschiedlichen Personen… S.284

Mein Fazit: lesenswert – vor allem im Herbst/Winter.
Zielgruppe: romantische Buchliebhaberinnen mit einem Faible für Paris.

Für den fünften – fehlenden – Stern hätte es gern mehr Spannung, Tiefgang, Überraschungen oder auch einfach eine andere Jahreszeit für mich gebraucht – nicht unbedingt den Frühsommer in Berlin :)

Dieser Song ist wie gemacht für dieses Buch…

Von mir

4/5

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