Familie Hase

Anne Blum
„Hasen feiern kein WeihnachteN“

Weihnachtsfans und Weihnachtshasser passen einfach nicht zusammen: Dieser Erkenntnis muss sich Tessa kurz vor dem Fest der Liebe stellen. Seit Jahren verbringt sie Weihnachten ihrem Freund Ole zuliebe an den Stränden Thailands, doch diesmal kommt alles anders: Kurz vor Heiligabend und dem Abflug nach Bangkok zerbricht ihre Beziehung mit einem Paukenschlag. Notgedrungen und um den Herzschmerz zu vergessen, verbringt Tessa die Feiertage bei ihrer liebevoll-verrückten Familie auf dem platten norddeutschen Land. Hier in Kappeln warten Weihnachtslieder singende Gartenzwerge, Lametta, Bratäpfel am Kachelofen sowie eine Riesenportion Trost und Liebe, aber auch der übliche Stress mit den beiden Schwestern. Dann steht auch noch Ole reumütig vor der Tür und will Tessa zurück. Doch ein sehr viel größeres Problem in ihrer Familie öffnet Tessa bald die Augen dafür, was wirklich zählt im Leben.

MEINE REZENSION:

Liebe Anne Blum, es tut mir so leid, dass ich einen Tag vor Heiligabend keine bessere Bewertung Ihres Debütromans aus dem Hut zaubern kann. Ich hatte mir so viel mehr erwünscht und gehofft, Sie könnten mich verzaubern und in Weihnachtsstimmung versetzen.

So, da bin ich doch wieder einmal mit der Tür ins Lebkuchenhaus gefallen. Nee, nee, nee. So geht das nun wirklich nicht. Also der Reihe nach. Ich finde das Cover absolut gelungen, sehr einlandend, niedlich fast, ohne kitschig zu sein. Ein richtiger, so richtig echter Hase vor einer stilisierten Winterlandschaft mit – natürlich – Schnee und den dazugehörigen Flocken. Ach ja, seufz.

Die Geschichte ist schnell erzählt. Tessa, eine von drei Schwestern aus Kappeln in Norddeutschland stammend – verschlägt es nach Berlin. Sie ist seit Jahren mit Ole, einem verkannten Schauspieler liiert, der Weihnachten hasst und es daher vorzieht, sich mit Tessa Jahr für Jahr nach Thailand zu verdrücken. Ein Jahr versuchten sie es gemeinsam in Familie in Kappeln mit xmas – ein fataler Fehler, der zahlreiche Wunden hinterließ, auf allen Seiten. Die eine Beziehung zerbricht oder droht zu zerbrechen, andere tun sich auf – in einem rasanten Tempo übrigens. Doch dazu gleich genauer.

Die Post-its in meinem Taschenbuch machen es sehr deutlich. Erscheinen sie auf den ersten Metern des Romans noch recht zahlreich, so sind sie ab Mitte des Buches gar nicht mehr zu finden. Echt, ich habe zu Beginn der Story wirklich laut gelacht, mich manchmal geärgert, aber war zunächst sehr positiv überrascht. Wie sollte es auch anders sein, wenn sich Tessa – vollkommen zurecht – über die Berliner Verkehrsbetriebe und deren Heizungsmoral im Winter beschwert (nein, es gibt des Winters keine Nackten in U-Bahnen!) oder ein typischer Berliner Taxifahrer zu Wort kommt:

„Will die Olle unbedingt ’ne neue Küche mit Flüsterschubladen, ick meene, ick fahre…“, S.35

Ihre Kollegin & beste Freundin Nadja ist sweet, spielt aber nur eine kurze Rolle, der schwäbische Chef und die Synchronfirma nerven – vor allem deren permanente Erwähnung im Roman. Man könnte meinen, es handele sich um Produktplatzierung. Und natürlich ist die Firma im It-Viertel am Rosenthaler Platz, wo auch sonst. Ok, künstlerische Freiheit. Ich hoffte inständig, Frau Blum möge nicht ständig Papa Hase zitieren, denn das ist für Erwachsene einfach nicht lustig. aber es hielt sich zumindest später in Grenzen.

Doch spätestens in Kappeln war es für mich schwer, den Roman zu mögen. Ich bin selbst ein Nordlicht, liebe die Menschen dort oben und kann die Allüren und Lebensweise nur zu Gut verstehen. Doch es kam wie ich es nicht befürchtet hatte. Kitsch as Kitsch can. Der kleine Lord findet natürlich auch Erwähnung. Es schneit. Flüchtlingshilfe. Benefiz-Fußballspiel. Patientenverfügung. Eine verstorbene Tante, über die niemand reden will. Ein Ehemaligenball. Weihnachten. Liebe. Krankheit. Tod. Selbstfindung. Talente. Spaziergänge am Strand. Ein bisschen zu viel von allem und daher zu wenig im Einzelnen. Ich wünsche mir mehr Tiefgang. Es war jedoch wie ein Galopp statt der erwarteten beschaulichen Schlittenfahrt.

Positiv überrascht hat mich die Aufarbeitung und Ausarbeitung der Beziehung der drei sehr verschiedenen Schwestern. Die perfekte Maren hat ebenso ihre Baustellen wie Susanne, die vor Ort immer alles regeln muss und echt, die kleine Stella ist einfach nur zum Knuddeln. Das Hasenkostüm ging irgendwie gar nicht und die Sache mit Sven – ich kam überhaupt nicht hinterher.

Für meine laienhaften Begriffe hat Frau Blum wirklich Talent und viel Potential. Beide kommen in ihrem Debüt noch nicht wirklich zum Tragen. Da geht noch was. Reduktion könnte das Zauberwort heißen. Maybe waren meine Erwartungen zu hoch. Doch Moment mal, ich wollte doch eigentlich nur verzaubert werden :)

Die Text-Gestaltung ist niedlich – die Kapitel geben das Datum wieder, Schneeflocken inklusive. Sprachlich ist der Roman ok, manchmal wirkte es für mich etwas zu erzwungen. „Lippenrheuma“ ist eine nette Idee, aber oft waren mir die Sätze, die Aussagen zu simpel, zu kurz, zu trivial. Leider. Ich hoffe sehr, Frau Blum schreibt weiter und fokussiert sich dabei auf bestimmte Themen. Wer zu viel will, verliert möglicherweise den Blick für das Wesentliche, worauf es dem Leser/der Leserin ankommt.

2 von 5 Weihnachtssternchen.

Ich wünsche ein besinnliches Fest und Toi toi toi für das kommende literarische Jahr und bedanke mich beim Piper Verlag für die Übersendung eines Rezensionsexemplars.

Von mir

2/5

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