Dämonische Eichhörnchen

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„434 Tage“
  • Taschenbuch: 224 Seiten
  • Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform; Auflage: 1 (3. September 2013)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 1492217085

    Anja ist erfolgreich, sie ist glücklich verheiratet, sie hat ein gutes Leben. Zumindest denkt sie das, bis sie auf einer Geschäftsreise unerwartet Julian in die Arme läuft. In diesem Moment ahnt Anja noch nicht, dass nach diesem Wiedersehen nichts mehr so sein wird, wie es war. Sie ahnt nicht, dass dieses Begegnung ihr gesamtes Leben ändern wird. Nur leider nicht unbedingt so, wie sie sich das vorgestellt hat.

MEINE REZENSION

Ein überaus sinnliches Cover und der, meine Neugier weckende, Titel „434 Tage“ luden mich zur Lektüre dieses Romans ein. 434 Tage… Ja was eigentlich? Tage voller Sehnsucht. Tage voller Zweifel. Tage voller Entscheidungen.
Anne Freytag hatte mir vor kurzem besonders schöne und überaus emotionale Momente mit Teskar in „Mein bester letzter Sommer“ geschenkt. Die Erwartungen an dieses Leseerlebnis waren also hoch, sehr hoch.

Soviel vorweg: Ich sollte nicht enttäuscht werden.

Die Protagonistin Anja Plöger – ja, wie der TV-Wetterfrosch – geborene Kraus, gewährt Einblicke in ihr Liebes- und Eheleben. De facto, sie geht fremd. Soweit nichts Besonderes, mag der geneigte Leser denken. Jedoch geht sie nicht mit irgendjemand fremd und daher geht sie im eigentlichen Sinne auch nicht fremd, sondern sie geht bekannt – nämlich mit Julian Bartig, der großen ersten Liebe ihres Lebens, mit dem sie fünf Jahre zusammenlebte, ihre erste kleine Dachgeschoßwohnung bezog.

Die Kapitel springen nur so durch die vergangenen 15 Jahre. Den Zeitsprüngen zu folgen, fiel zunächst etwas schwer, wurde jedoch mit jedem gelesenen Satz leichter. Entgegen ihrem inneren Dämon und trotz fehlender Eichhörnchen in ihrer Brust – die mir aber sowas von sofort ans Herz gewachsen sind – verlässt Anja ihren Julian und fühlt sich dabei von ihm verlassen. Sie heiratet nur wenige Jahre später Tobias Plöger.

Doch es kommt, wie es kommen muss und wie der Leser sehr schnell ahnt, Julian wird wieder ein wichtiger Teil ihres Lebens. Seit diesem Tag vor 434 Tagen in Genf stellt Anja alles auf den Prüfstand, alle Entscheidungen, alle Gedanken und Emotionen. Zunächst hält sie es nur für eine Affäre…

Viele wunderbare Zitate habe ich markiert…

„Beim Anblick seines Gesichts raunt mein Dämon und mein Magen zieht sich zusammen…“ S.13

„In meinem Brustkorb tobt noch immer das Eichhörnchen. Und es scheint nicht müde zu werden…“ S.20

„Julian mag einmal meine Droge gewesen sein. Doch ich habe den Entzug überlebt…“ S.56

„Du hast mich aufgeweckt aus einem Leben, von dem ich überzeugt war, dass es zu mir passt…“ S.113

„Frauen zwischen Mitte zwanzig und Mitte dreißig sind bösartige biologische Bomben, die beim Abendessen detonieren…“ S.147

„Egal, was genau diese 434 Tage auch waren, für mich waren sie ein Weg zurück zu mir.“ S.157

Der eingeschlagene berufliche Lebensweg, die Suche nach der eigenen Berufung, Entscheidungen wider das Gefühl kamen mir bekannt vor und haben mich sehr fasziniert. Anne Freytag findet wieder einmal die richtigen Worte und wieder einmal konnte sie mich überraschen. Anjas innere Zerrissenheit zu erfahren, bereitete mir fast körperliche Schmerzen. So sehr litt ich mit ihr. Das krönende Ende hat dann schließlich meine Seele berührt, mich aus dem Gleichgewicht gebracht und mein Herz zerrissen. Ein Wechselbad der Gefühle – von himmelhoch… zu Tode betrübt.

5 von 5 Sternen für einen Roman, der sprachlich mehr als überzeugt, emotionale Achterbahnen fährt und zugleich den Leser ermutigt, immer wieder über den Tellerrand des eigenen Lebens zu schauen und möglichst bei allen Entscheidungen den Dämon und die Eichhörnchen mit ins Boot zu holen.

Von mir

5/5

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