E-Mail-Verkehr

SU_Bondoux_Luegen_Sie_cs6.inddLügen Sie, ich werde Ihnen glauben
Anne-Laure Bondoux, Jean-Claude Mourlevat
  • Gebundene Ausgabe: 288 Seiten
  • Verlag: Deuticke Verlag
  • Auflage: 2 (25. Juli 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • Originaltitel: Et je danse, aussi

Ein E-Mail-Roman voller Witz und Charme – der beweist, dass man sich auch in Worte verlieben kann!

Als der berühmte Schriftsteller Pierre-Marie Sotto ein dickes Kuvert in seinem Briefkasten findet, hat er, im Glauben, es handle sich um ein Manuskript, zunächst nur eines im Sinn: zurück damit an die Absenderin! Doch anstatt Adeline, „groß, brünett, dick“ (wie sie sich selbst beschreibt), und ihre mysteriöse Sendung so schnell wie möglich wieder loszuwerden, kommen sich die beiden – per E-Mail – schon bald so nahe, dass einer ohne die Nachrichten des anderen nicht mehr sein kann. Bis das ominöse Paket seine Überraschung preisgibt … Eine Liebesgeschichte der besonderen Art, ein E-Mail-Roman voller Witz und Eleganz – beste Unterhaltung aus Frankreich!

MEINE REZENSION

Pierre-Marie Sotto, preisgekrönter französischer Schriftsteller befindet sich in einer Sinn- und Schaffenskrise als ihn Briefumschlag und E-Mail einer gewissen Adeline Parmelan erreichen. Es entspinnt sich ein feinfühliger, bisweilen auch zäher E-Mail-Verkehr à la carte Française. Hier haben wir ihn also, den typischen französischen Roman. Jawohl. Mit allem, was dazu gehört, Familie, Freunde, Leid und natürlich Liebe.

Als Kernfrage der Handlung kommt folgendes in Betracht:

„Nennen Sie mir zehn gute Gründe, warum das Leben schön ist.“ S.24

Die zehn Gründe soll Pierre-Marie liefern und das tut er mit jeder neuen Phase des Romans. Soviel sei verraten, es handelt sich dabei natürlich um die kleinen, unscheinbaren Dinge im Leben, die oft erst bei näherer Betrachtung das Leben einfach schön machen.

Ja, der Roman hat zuweilen seine Längen, aber durch die Kürze der E-Mails bleiben diese Durststrecken erträglich und schnell ist Abwechslung in Sicht, als neue Protagonisten im E-Mail-Postkorb auftauchen. Cover & Titel konnten mich leider nicht überzeugen. Für mich klingt der Originaltitel sehr viel geheimnisvoller – vielleicht wäre dessen Übersetzung passender gewesen?

„Et je danse, aussi“ – „Und ich Tanze auch“

Häppchenweise nähern sich Adeline und Pierre-Marie einander an, nicht ohne Unterbrechungen durch eine wilde Nymphomanin aus Frankreichs Norden oder die Ehestreitigkeiten von Josy und Max. Adeline P., einsam nach der Scheidung und dem Tod der Mutter. Pierre-Marie, ebenso einsam nach dem allmählichen Auszug aller Kinder und dem Verschwinden seiner Vera. Nach und nach scheint sich das Gestrüpp von Lügen, Halbwahrheiten und Wahrheiten zu lichten. Was verbirgt Adeline? Ist sie überhaupt real oder doch nur Fiktion?

In diesem Fall ist es schwierig, den Roman zu rezensieren, ohne auch nur ansatzweise zu spoilern. Hmmm. Die Leserin, der Leser sollte sich darauf einlassen, die beiden Protagonisten beim Austausch der kleinen schwarzen Zeichen, genannt Buchstaben in ihren E-Mails, zu beobachten und zu begleiten. Immer wieder geschah es, dass ich wie bei einem Krimi, in die eine oder andere Richtung irre geführt zu werden schien. Ich kam nicht umhin, mich zu fragen, was geschah mit Frau Nummer 4 namens Vera und wer oder was ist diese Adeline und was will sie von P-M? Zugleich sind seine wie auch ihre E-Mails voller Poesie, Wortspielereien  und Melancholie, manchmal auch von etwas deftiger oder gar anzüglicher Natur – aber immer voller Romantik und eben typisch französisch.

Was ist das eigentlich „typisch französisch“? Stilvoller Ausdruck? Dezente Anspielungen? Immer eine Prise mehr Gefühl? Vielleicht. Zumindest verbinde ich genau das mit „très français“. Das ist wie ein zartes Stückchen Sahnekuchen. Nicht zu schwer, nicht zu süß, aber unwiderstehlich lecker!

„Und stellen Sie sich vor, ich tanze auch.“ S.9

„Lügen Sie, ich werde Ihnen glauben.“ S.25

„…(ich bin sehr Po-fixiert).“ S.40

„Ein Erotikroman? Geht’s noch?“ S. 54

„…zunehmenden Verlagerung des Gravitätszentrum unserer Sippe…“ S.99

Ich habe den Roman sehr genossen und wie ich finde, passt er ganz wunderbar in diese Jahreszeit mit seiner tief stehenden, sanft wärmenden Sonne, den herabfallenden Blättern und der aufkeimenden Nachdenklichkeit. Jedes Ende ist ein neuer Anfang, wenn man/frau es zulässt, sich einlässt, die Perspektiven ändert. Alles ist möglich, alles kann, nichts muss!

Merci beaucoup et à bientôt!

Von mir

5/5

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