Beziehungsweise

  • Titel: Liebe ist die beste Therapie
  • Autor: John Jay Osborn
  • Gebundene Ausgabe: 288 Seiten
  • Verlag: Diogenes
  • Auflage: 3 (24. Oktober 2018)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3257070438
  • ISBN-13: 978-3257070439
  • Originaltitel: Listen to the Marriage

„Alles spielt sich in einem Raum mit vier Stühlen ab. Auf denen sitzen: eine Frau und ein Mann Mitte 30 sowie eine Paartherapeutin mit unorthodoxen Methoden. Der vierte Stuhl bleibt leer, er steht für die Ehe, die die beiden aufgebaut haben. Und von der die Therapeutin zu Anfang sagt, die Chance, sie zu retten, sei höchstens 1:1000.“ (Klappentext)

Endlich mal wieder ein Diogenes. Endlich mal wieder ein cremefarbenes Büchlein aus einem meiner Lieblingsverlage. Diogenes wird mich wohl immer begleiten. Ich lasse mich gern überraschen und sehr gern natürlich positiv. Auf welchen Roman fiel also meine Wahl dieses Mal? „Liebe ist die beste Therapie“ von John Jay Osborn. Bisher ist mir der Autor noch nicht untergekommen, doch sein Roman liegt schon lange weit oben auf meinem SuB (Stapel ungelesener Bücher). 

Ein Buch, das – wie ich finde – genau in diese Jahreszeit passt, nicht mehr Sommer und noch nicht Herbst. Und mehr noch, es passt auch ganz wunderbar in diese ZEIT, unsere Zeit –

  • in eine Zeit von Tinder und anderen Dating-Apps,
  • in eine Zeit, in der via WhatsApp Schluss gemacht und der/die Ex einfach mal eben blockiert oder schlimmer noch, über die Social Media gestalked wird, 
  • in eine Zeit, in der Reden und Sich-Zeit-Nehmen für den anderen kaum noch Platz haben.

Ich kann glücklicherweise von meinen Beziehungen und mir sagen, dass ich genau darum täglich kämpfe – größtenteils mit Erfolg. Sonst wäre ich wohl kaum schon so lange glücklich liiert und auch noch eine happy Mum, mit allen Ups and Downs.

Doch zurück zum Roman. Er spielt in einem Raum. Er ist ungewöhnlich. Er ist anders.

Die Protagonisten sind es nicht. Sie sind wie du und ich, er und sie, sie und sie, er und er oder es, nicht zu vergessen. Ich lernte Sandy kennen, ihres Zeichens Paartherapeutin und ihre beiden Klienten, Charlotte und Steve, die um die Trümmer ihrer Ehe ringen. Daneben gibt es u.a. noch Sandys verstorbene Mutter sowie Bill und Gabriella, die jedoch die Bühne – resp. das Zimmer – in persona nie betreten. Und es gibt den ominösen, grünen Sessel, dessen Bekanntschaft jede/r selber machen möge. Vielleicht sollte sogar jede/n einen solchen besitzen – zumindest mittels Vorstellungskraft. 

Ich las einige kritische Meinungen zu Sandys Art und ihren Gedanken. Nun, das ist – wie immer – Geschmackssache. Ich fand es erfrischend und überlege seitdem ständig, wie man die Stimme in ihrem Kopf cineastisch umsetzen würde/könnte/sollte. Denn verfilmt werden könnte der Roman allemal. Doch worum geht es denn nun eigentlich? Zusammengefasst – um Beziehungsarbeit, würde ich sagen.

Beziehungsarbeit und wie das geht, welche Stolpersteine und Gefahren dabei nicht nur am Wegesrand lauern. Ich begreife den Roman weiter als Charlotte und Steve und deren Ehe – auch wenn der Originaltitel noch mehr auf die Ehe an sich abstellt.
Es ist eine schöne und wichtige Story, wenn ich sie auf das Leben, mit all den unterschiedlichsten, zwischenmenschlichen Beziehungen und Verbindungen darin adaptiere. John Jay Osborn gibt dem/der Leser/in Mittel an die Hand, um verloren gegangenes Vertrauen wieder aufzubauen. Er fragt via Sandy ganz offen nach den eigenen Stärken und Schwächen und denen der/des anderen. Und nicht zuletzt legt er den Finger in die Wunde – Ohren auf, Mund zu, denn frei nach Antoine de Saint-Exupéry: Man hört auch mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Ohren oft unhörbar.[1]

FAZIT:
Einfach lesen und wirken lassen. Gern auch zu Weihnachten verschenken. Vielen Dank an den Diogenes-Verlag für das Rezensionsexemplar.


[1]„Der kleine Prinz“ (original französisch „Le Petit Prince“) ist ein Buch des französischen Autors Antoine de Saint-Exupéry, welches zuerst 1943 in New York erschienen ist. Die Geschichte des kleinen Prinzen handelt von Freundschaft und Menschlichkeit und wird oft als Kritik an den Verfall von Werten in der modernen Gesellschaft verstanden. Das Zitat „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“, welches in der Geschichte vom Fuchs im Gespräch mit dem kleinen Prinzen gesagt wird, ist der am häuftigsten zitierteste Satz von Exupéry und eines der bekanntesten Zitate überhaupt. – Gefunden auf: https://www.myzitate.de/der-kleine-prinz/

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