Kate@eight – Fieberbahn

Meine Kolumne um 8


Von langer Hand geplant – mein vorweihnachtlicher Trip nach Leipzig, um meine kleine Seelenschwester Evi zu treffen. Wochenlang gefreut auf dieses Wiedersehen nach gefühlten Ewigkeiten für ein paar Stunden. Achtung, dieser Hinweis wird an späterer Stelle noch von Interesse sein.

Früh aufgestanden – trotz freiem Tag, chic gemacht, Nägel lackiert, pünktlich daheim aufgebrochen, um 10min vor geplanter Abfahrtszeit am Gleis zu stehen. Was muss ich bei Ankunft durch meine Brille auf der Anzeigetafel entdecken? Umgekehrte Wagenreihung. Na prima, geht ja schon mal gut los. Supi, dass ich im zweiten Wagen reserviert habe, der nun am anderen Ende einfahren soll. Also, bitte einmal den kompletten Bahnsteig retour. Beim beschwingten Schlendern in eisiger Luft erneut einen kurzen Blick auf Anzeigetafel geworfen – 10min too late. Ok. That’s not really good.

Und, ich sollte leider recht behalten. 15min. 30min. 45min. Mir ist echt a****kalt. Ich suche einen der beheizten „Schutzräume für gestrandete bzw. von der Bahn veralberte Reisende“ auf. Der Glascontainer ist natürlich gnadenlos mit frustrierten Menschen aller Altersklassen überfüllt. Doch als aufmerksame Mitreisende schnappe ich auch Infos auf, u.a. diese: am Serviceschalter der Bahn gäbe es einen 2€-Kaffee-Coupon. Na toll. Noch ist nicht einmal eine Mini-Erstattung in Sichtweite. Noch nicht! Aber ich werde die Bahn wenigstens um diesen Mini-Gutschein erleichtern.

Also gehts raus in die Kälte, die Rolltreppe rauf und ab zum Counter. Inzwischen sind wir bei round about 60min Verspätung angelangt. Die lass ich mir doch gleich mal vom netten Servicemann bescheinigen. Meine Zähne klappern und meine zitternden Hände umklammern den kleinen Café Creme, den ich mir spontan vom Gutschein gegönnt habe. Wir schlittern mit Tempo 0 auf die 70min-Marke zu. Die freundliche Lautsprecher-Durchsagen-Dame empfiehlt allen Reisenden mit direktem Ziel Lutherstadt Wittenberg oder Leipzig, den regulären Folgezug eine Stunde nach meinem Geplanten zu nehmen. Bye bye Platzreservierung. Schönen Dank auch. Aber, sofern dieser ICE denn kommen sollte, nehme ich den auf jeden Fall. Ich will ja immer noch Evi treffen. Uff. Nach zweimal Platz-Hopping habe ich einen Sitz ergattert und traue mich geschlagene 20min nicht, meine Jacke auszuziehen – könnte ja noch wer Anspruch auf meinen Platz erheben. Ausserdem friere ich noch immer.

Keine Sturmschäden. Kein Hochwasser. Kein Schnee-Chaos. Kein Blitz-Eis. Und trotzdem treffe ich schlussendlich an einem stinknormalen Montag eine ganze, volle Stunde später in Leipzig ein als anvisiert. Von den 3,5 geplanten Stunden Weihnachtsmarkt und Glühwein und Schwatzen bleiben uns nun noch chillige 2,5 Stunden bis mein Super-Sonder-Sparpreis-Train wieder Richtung Berlin düsen soll. Die Zeit reicht mal gerade für eine feste Umarmung, einen heißen Tee, einen kleinen Imbiss und a long Goodbye.

Funfact am Rande: Ein kleiner online-Check unterwegs zeigt mir 103min Verspätung meines originär gebuchten Zuges an. Dafür darf ich nach meiner Rückkehr mit einem oldschool-Formular und ausdruckten Handytickets auf dem Postweg – Willkommen im digitalen Zeitalter – höfliche 25% Erstattung beitragen.

Merci im Voraus dafür und Danke, liebe Deutsche Bahn, für einen wieder einmal unvergesslichen Tag mit dir.

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